Diversifikation gilt an der Boerse als das einzige kostenlose Mittel gegen Risiko. Wer sein Geld ueber viele Aktien, Regionen und Anlageklassen verteilt, senkt das Schwankungsrisiko seines Depots, ohne dafuer langfristig auf Rendite verzichten zu muessen. Genau das macht die Risikostreuung so wertvoll: Sie schuetzt dich davor, dass ein einzelnes Unternehmen, eine Branche oder ein Land dein gesamtes Vermoegen mit nach unten zieht. In diesem Ratgeber erfaehrst du, welche Arten von Risiko es gibt, wie Diversifikation praktisch funktioniert und welche Fehler wie der Home Bias die Streuung heimlich untergraben.

Der bekannte Grundsatz lautet: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Uebersetzt auf dein Depot heisst das, viele voneinander unabhaengige Werte zu halten, damit sich einzelne Rueckschlaege gegenseitig ausgleichen. Das Ziel ist ein Depot, das ruhiger schwankt, ohne dass du dafuer auf die Rendite des Gesamtmarkts verzichten musst.

In diesem Artikel

Was Diversifikation wirklich bedeutet

Man unterscheidet zwei Arten von Risiko. Das unsystematische Risiko betrifft ein einzelnes Unternehmen, etwa eine Insolvenz oder einen Skandal. Genau dieses Risiko laesst sich durch breite Streuung nahezu vollstaendig wegdiversifizieren. Das systematische Risiko dagegen betrifft den gesamten Markt, zum Beispiel eine globale Rezession, und bleibt auch bei bester Streuung bestehen. Ziel der Diversifikation ist es, das unsystematische Risiko zu beseitigen, ohne die erwartete Rendite zu senken. Deshalb spricht man vom einzigen kostenlosen Vorteil an der Boerse.

Ueber Regionen, Branchen und Anlageklassen streuen

Echte Diversifikation wirkt auf mehreren Ebenen. Ein einzelner breiter Welt-ETF deckt bereits tausende Unternehmen aus vielen Laendern und Branchen ab, das ist die einfachste Form der Streuung. Schon damit vermeidest du die haeufigsten Anfaengerfehler wie das Wetten auf einzelne Modeaktien oder eine einzige Branche. Wer noch breiter aufstellen will, kombiniert Anlageklassen mit unterschiedlichem Verhalten. Die folgende Uebersicht zeigt, welche Klumpenrisiken dabei lauern.

Streuungsebene Klumpenrisiko Loesung
Einzelwerte Alles auf wenige Aktien breiter Index-ETF
Branchen Uebergewicht Technologie Welt-ETF statt Themenfonds
Regionen Fokus nur auf USA oder Deutschland globale Streuung, Schwellenlaender beimischen
Anlageklassen nur Aktien Tagesgeld, Festgeld, ggf. Anleihen ergaenzen

Fuer den Aktienteil bietet sich ein Weltportfolio nach 70/30 an, das Industrie- und Schwellenlaender kombiniert. Den sicheren Teil deckst du ueber Tagesgeld oder Festgeld ab, das kaum mit dem Aktienmarkt schwankt und dein Depot stabilisiert.

Den Home Bias vermeiden

Viele deutsche Anleger halten einen ueberproportionalen Anteil deutscher Aktien, weil ihnen Namen wie SAP, Siemens oder Allianz vertraut sind. Dieser Home Bias fuehlt sich sicher an, ist aber ein Streuungsfehler: Deutschland macht nur einen kleinen Teil der weltweiten Marktkapitalisierung aus. Wer sein Depot auf den Heimatmarkt konzentriert, wettet unbewusst auf eine einzige Volkswirtschaft. Ein global gestreuter ETF loest das Problem automatisch, weil er die Laender nach ihrem tatsaechlichen Gewicht am Weltmarkt abbildet.

Achtung, Scheindiversifikation: Fuenf verschiedene ETFs zu besitzen bringt nichts, wenn sie alle denselben US-Technologiesektor abbilden. Entscheidend ist nicht die Zahl der Fonds, sondern wie unterschiedlich ihre Inhalte sind. Pruefe Ueberschneidungen bei den groessten Positionen.

Diversifikation im Ueberblick

Vorteile
  • Senkt das Schwankungsrisiko ohne Renditeverzicht
  • Ein einzelner Ausfall gefaehrdet nicht das Depot
  • Mit einem Welt-ETF sehr einfach umsetzbar
  • Schuetzt vor emotionalen Panikverkaeufen
Grenzen
  • Systematisches Marktrisiko bleibt bestehen
  • Ueberdiversifikation bringt keinen Mehrwert
  • Verhindert extreme Einzelgewinne
  • Erfordert Kontrolle auf Ueberschneidungen

So streust du dein Depot richtig

Der einfachste Weg zu echter Streuung ist ein breiter Welt-ETF als Kern, den du monatlich besparst, wie im ETF-Sparplan fuer Einsteiger beschrieben. Darum herum baust du deine persoenliche Aufteilung: einen liquiden Notgroschen fuer Unerwartetes, mehr dazu unter Notgroschen aufbauen, sowie den sicheren Zinsteil aus Tages- und Festgeld. Wer trotz breiter ETF-Basis einzelne Aktien beimischen moechte, sollte die Chancen und Risiken kennen, die wir unter Einzelaktien oder ETF gegenueberstellen. Wichtig ist am Ende, dass sich deine Bausteine moeglichst unterschiedlich verhalten, denn nur dann wirkt die Streuung.

Korrelation, der Schluessel zu echter Streuung

Wirksame Diversifikation haengt weniger von der Anzahl der Positionen ab als davon, wie stark sich ihre Kurse gemeinsam bewegen. Diese Kennzahl heisst Korrelation. Zwei Anlagen, die immer im Gleichschritt steigen und fallen, bringen kaum Streuungsvorteil, auch wenn es formal zwei verschiedene Werte sind. Erst wenn sich Bausteine unterschiedlich verhalten, etwa Aktien und Tagesgeld, gleicht ein Rueckgang der einen Seite die andere teilweise aus. In schweren Krisen steigt die Korrelation zwischen den Aktienmaerkten allerdings oft an, viele Regionen fallen dann gleichzeitig. Genau deshalb ist der stabile, wenig schwankende Zinsteil aus Tages- und Festgeld so wichtig: Er bleibt ruhig, wenn die Boersen wackeln, und gibt dir die Gelassenheit, deinen Anlageplan durchzuhalten, statt in Panik zu verkaufen.

Wie viele ETFs brauche ich fuer gute Diversifikation?
Oft reicht ein einziger breiter Welt-ETF, der tausende Unternehmen abdeckt. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Fonds, sondern wie breit und ueberschneidungsfrei die enthaltenen Werte sind.
Senkt Diversifikation wirklich die Rendite nicht?
Breite Streuung reduziert vor allem das unsystematische Risiko einzelner Werte, nicht die erwartete Marktrendite. Deshalb gilt sie als der einzige kostenlose Vorteil an der Boerse.
Was ist der Home Bias?
Der Home Bias ist die Neigung, ueberdurchschnittlich viel in Aktien des eigenen Landes zu investieren. Das erhoeht das Klumpenrisiko, weil man auf eine einzige Volkswirtschaft setzt statt global zu streuen.
Kann man ein Depot ueberdiversifizieren?
Ja. Ab einem gewissen Punkt bringen zusaetzliche Fonds keinen messbaren Risikovorteil mehr, sondern nur mehr Komplexitaet und Kosten. Ein breiter Welt-ETF plus sicherer Zinsteil genuegt den meisten Anlegern.

Fazit

Diversifikation ist das Fundament eines robusten Depots. Sie beseitigt das Risiko einzelner Unternehmen, ohne deine langfristige Renditeerwartung zu schmaelern, und schuetzt dich in turbulenten Phasen vor Panik. Streue ueber Regionen, Branchen und Anlageklassen, vermeide den Home Bias und achte auf Ueberschneidungen zwischen deinen Fonds. Ein breiter Welt-ETF als Kern, ergaenzt um einen sicheren Zinsteil, ist fuer die meisten Anleger die einfachste und wirksamste Form der Risikostreuung.

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