Wer langfristig Vermögen aufbauen will, steht früher oder später vor einer Grundsatzfrage: einzelne Aktien selbst auswählen oder lieber einen ganzen Markt über einen ETF abbilden? Dieser Aktien ETF Vergleich zeigt dir nüchtern, welche Chancen und Risiken hinter Stock-Picking und Indexanlage stecken und für welchen Anlegertyp sich welcher Weg wirklich lohnt.

Beide Ansätze schließen sich nicht aus. Viele erfahrene Anleger nutzen einen breit gestreuten ETF als Fundament und ergänzen ihn mit einer kleinen Portion Einzelaktien als Beimischung. Entscheidend ist, dass du die Unterschiede bei Aufwand, Risiko und Steuern verstehst, bevor du dein Geld verteilst.

In diesem Artikel

Einzelaktien: hohe Chancen, hohes Klumpenrisiko

Kaufst du eine Aktie, wirst du Miteigentümer eines einzelnen Unternehmens. Steigt dessen Wert oder zahlt es eine Dividende, profitierst du direkt. Wer 2015 in einen späteren Kursraketen investiert hat, konnte sein Kapital vervielfachen – das ist der Reiz des Stock-Pickings.

Der Haken: Ein einzelnes Unternehmen kann auch in die Insolvenz gehen, dann ist dein Einsatz komplett verloren. Von Wirecard bis zu manchem Traditionskonzern gibt es genug Beispiele. Wer sein gesamtes Depot auf fünf oder zehn Titel setzt, trägt ein hohes Klumpenrisiko. Hinzu kommt der Zeitaufwand: Bilanzen lesen, Quartalszahlen verfolgen und Branchen einschätzen kostet Stunden, die nicht jeder investieren will oder kann. Studien zeigen zudem, dass die Mehrheit aktiver Anleger den Marktdurchschnitt langfristig nicht schlägt.

Was ein ETF anders macht

Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen ganzen Index nach – etwa den MSCI World mit rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern oder den FTSE All-World mit über 3.700 Titeln inklusive Schwellenländern. Mit einem einzigen Kauf streust du also über hunderte oder tausende Firmen, Branchen und Währungen. Geht ein Unternehmen unter, fällt das im Gesamtkorb kaum ins Gewicht.

Diese breite Streuung ist der wichtigste Vorteil und der Kern jeder soliden Diversifikation und Risikostreuung. Ein ETF kostet zudem wenig: Gute Welt-ETFs haben eine Gesamtkostenquote von 0,10 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Wie stark diese TER und versteckte Kosten deine Rendite über Jahrzehnte beeinflussen, unterschätzen viele Einsteiger. Über einen automatisierten ETF-Sparplan für Einsteiger baust du schon ab 25 € monatlich Vermögen auf, ohne täglich den Markt beobachten zu müssen.

Kriterium Einzelaktien ETF
Streuung gering, du bestimmst jeden Titel selbst sehr breit, hunderte bis tausende Firmen
Zeitaufwand hoch, laufende Recherche nötig minimal, ideal als Sparplan
Kosten Ordergebühren je Kauf/Verkauf 0,10–0,25 % TER pro Jahr
Renditechance sehr hoch, aber unsicher Marktrendite, planbarer
Verlustrisiko Totalverlust je Titel möglich durch Streuung stark reduziert
Teilfreistellung keine 30 % bei Aktien-ETFs

Der oft übersehene Steuervorteil des ETF

Bei Aktien-ETFs mit mindestens 51 Prozent Aktienanteil greift die sogenannte Teilfreistellung: 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei. Das gilt für Kursgewinne, Dividenden und die jährliche Vorabpauschale. Bei Einzelaktien gibt es diese Entlastung nicht – hier werden Dividenden und Kursgewinne voll mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer belegt. Über lange Zeiträume ist das ein spürbarer Renditevorsprung für die Fondslösung.

Achtung Klumpenrisiko: Eine einzelne Aktie mit 20 oder 30 Prozent Depotanteil kann dein Gesamtergebnis dominieren. Als grobe Faustregel sollte kein Einzelwert mehr als 5 Prozent deines Portfolios ausmachen, wenn du Schwankungen begrenzen willst.

Für wen sich was eignet

ETF passt zu dir, wenn …
  • du wenig Zeit für Recherche hast
  • du planbar und breit gestreut sparen willst
  • dir niedrige Kosten und Automatisierung wichtig sind
  • du langfristig für Alter oder Kinder anlegst
Einzelaktien passen zu dir, wenn …
  • du Freude an Unternehmensanalyse hast
  • du bewusst höhere Chancen und Risiken suchst
  • du nur einen kleinen Teil deines Depots einsetzt
  • du Kursschwankungen emotional aushältst

Ein bewährter Kompromiss ist die Core-Satellite-Strategie: ein breiter Welt-ETF als stabiler Kern (zum Beispiel nach dem Prinzip Weltportfolio nach 70/30), ergänzt um wenige Einzelaktien als Satelliten. Wer gezielt auf Ausschüttungen setzt, kann sich zusätzlich eine Dividendenstrategie mit ETFs ansehen, statt einzelne Dividendentitel zu jagen.

So startest du praktisch

Für beide Wege brauchst du zunächst ein Depot. Achte beim Neobroker-Vergleich auf günstige oder kostenlose Sparpläne, faire Ordergebühren und eine solide Auswahl an Handelsplätzen. Lege dann fest, welchen Anteil du breit gestreut in ETFs und welchen – falls überhaupt – in Einzelwerte investieren möchtest. Für die meisten Berufstätigen ist ein automatisierter ETF-Sparplan die einfachste und nervenschonendste Lösung.

Sind ETFs sicherer als Einzelaktien?
ETFs sind nicht risikofrei, denn auch sie schwanken mit dem Markt. Durch die Streuung über hunderte Titel fällt aber der Ausfall eines einzelnen Unternehmens kaum ins Gewicht, während eine einzelne Aktie bis zum Totalverlust fallen kann. In diesem Sinne ist ein breiter ETF deutlich robuster.
Kann ich Einzelaktien und ETFs im selben Depot halten?
Ja, das ist der Normalfall. Viele Anleger nutzen einen Welt-ETF als Kern und legen einzelne Aktien als Beimischung dazu. Beides läuft problemlos im gleichen Wertpapierdepot bei deiner Bank oder deinem Neobroker.
Wie viele Einzelaktien brauche ich für eine gute Streuung?
Für eine annähernd marktbreite Streuung wären mehrere hundert Titel nötig, was privat kaum umsetzbar ist. Genau deshalb erledigt ein ETF diese Aufgabe automatisch und günstig, während ein Depot aus zehn Aktien immer noch stark konzentriert bleibt.
Warum sind ETFs steuerlich oft im Vorteil?
Bei Aktien-ETFs bleiben dank Teilfreistellung 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Diese Entlastung gibt es bei Einzelaktien nicht, sodass ETFs über lange Zeiträume unter sonst gleichen Bedingungen einen Steuervorteil bieten.

Fazit

Der Aktien ETF Vergleich fällt für die meisten Privatanleger klar aus: Ein breit gestreuter ETF liefert mit wenig Aufwand, niedrigen Kosten und Steuervorteil eine solide Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau. Einzelaktien bleiben eine spannende Ergänzung für alle, die Zeit, Wissen und Nervenstärke mitbringen – am besten aber nur mit einem überschaubaren Teil des Depots.

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Redaktionsteam mit Spezialisierung auf persönliche Finanzen, Kreditkarten und Bankprodukte.

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