Ein Robo-Advisor in Deutschland nimmt dir fast die gesamte Geldanlage ab: Du beantwortest online ein paar Fragen zu deinem Anlageziel, deinem Zeithorizont und deiner Risikobereitschaft, richtest einen Dauerauftrag ein – und die Software baut daraus ein weltweit gestreutes Portfolio, meist aus kostenguenstigen ETFs. Danach ueberwacht der digitale Vermoegensverwalter dein Depot und stellt die urspruengliche Aufteilung durch automatisches Rebalancing immer wieder her. Genau das unterscheidet einen Robo-Advisor vom reinen Selbstbau eines Depots.
In diesem Ratgeber erfaehrst du, wie diese Anbieter arbeiten, was sie kosten, fuer wen sie sich lohnen und worauf du bei Steuern und Sicherheit achten solltest – Stand 2026.
In diesem Artikel
Wie ein Robo-Advisor funktioniert
Am Anfang steht immer ein kurzer Fragebogen. Daraus leitet der Anbieter dein Risikoprofil ab und schlaegt eine Aktienquote vor – zum Beispiel 30, 50 oder 90 Prozent Aktien, der Rest Anleihen. Zahlst du dann Geld ein, kauft der Robo-Advisor automatisch die passenden ETFs auf Aktien- und Anleiheindizes und legt so ein diversifiziertes Weltportfolio an.
Der entscheidende Baustein ist das Rebalancing: Steigen die Aktien stark, verschiebt sich deine Aufteilung von zum Beispiel 70/30 auf 78/22. Der Robo verkauft dann automatisch einen Teil der gestiegenen Position und kauft die untergewichtete nach, damit dein Risiko konstant bleibt. Diese Disziplin faellt vielen Privatanlegern von Hand schwer.
Aktiv oder passiv gesteuert
Grob gibt es zwei Lager. Passive Robo-Advisor wie Quirion oder Growney behalten deine Zielgewichtung bei und greifen nur zum Rebalancing ein. Aktive Anbieter wie Scalable Capital steuern die Aktienquote je nach Marktlage teils dynamisch nach. Passiv ist meist guenstiger und transparenter; aktiv verspricht Risikosteuerung, ohne dass ein Mehrwert garantiert ist.
Was ein Robo-Advisor in Deutschland kostet
Die Kosten bestehen aus zwei Teilen: der Servicegebuehr des Robo-Advisors und den laufenden Kosten der eingesetzten ETFs (der TER). Zusammen liegst du meist zwischen rund 0,4 und 1,0 Prozent pro Jahr. Klingt wenig, summiert sich ueber Jahrzehnte aber deutlich – wie stark, zeigt unser Beitrag zur Gesamtkostenquote von ETFs.
| Anbieter (Beispiele) | Servicegebuehr p. a. | ETF-Kosten p. a. | Mindestanlage |
|---|---|---|---|
| Quirion (Digital) | ca. 0,48 % | ca. 0,15–0,25 % | ab Sparplan 1 € |
| Growney | ca. 0,38–0,68 % | ca. 0,15–0,25 % | ab 500 € |
| Scalable Capital | ca. 0,75 % | ca. 0,15–0,25 % | ab 20 € |
| Whitebox | ca. 0,35–0,95 % | ca. 0,15–0,25 % | ab 25 € |
Robo-Advisor gegen den Selbstbau per ETF-Sparplan
Die guenstigste Alternative ist ein eigener ETF-Sparplan ueber einen Broker. Dort zahlst du oft nur die ETF-Kosten von rund 0,2 Prozent, uebernimmst dafuer aber Auswahl und Rebalancing selbst. Der Robo-Advisor kostet mehr, spart dir dafuer Zeit und Nerven.
- Vollautomatische Anlage inklusive Rebalancing
- Breite Streuung ab kleinen Betraegen
- Keine Emotionen bei Kursstuerzen – die Regeln laufen weiter
- Guenstiger als klassische Bankberatung
- Teurer als ein selbst gebauter ETF-Sparplan
- Wenig Einfluss auf die konkrete ETF-Auswahl
- Aktive Steuerung bringt nicht automatisch Mehrrendite
- Bei grossen Depots faellt die prozentuale Gebuehr staerker ins Gewicht
Steuern und Sicherheit
Auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne faellt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritaetszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Bei Aktien-ETFs greift die Teilfreistellung von 30 Prozent, sodass ein Teil der Ertraege steuerfrei bleibt. Die meisten Robo-Advisor fuehren die Steuer automatisch ans Finanzamt ab, wenn dein Depot bei einer deutschen Depotbank liegt – einen Freistellungsauftrag solltest du trotzdem selbst hinterlegen.
Dein Wertpapierdepot ist kein Bankguthaben, sondern Sondervermoegen: Geht der Anbieter pleite, gehoeren dir die ETF-Anteile weiterhin. Nur nicht investiertes Bargeld auf dem Verrechnungskonto faellt unter die Einlagensicherung. Wenn du zwischen Robo-Advisor und einem klassischen Broker schwankst, hilft dir unser Neobroker-Vergleich bei der Auswahl.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Robo-Advisor unterscheiden sich staerker, als die aehnlichen Werbeversprechen vermuten lassen. Vergleiche vor der Entscheidung diese Punkte: die Gesamtkosten aus Servicegebuehr und ETF-Kosten, die verfuegbaren Risikostufen und Aktienquoten, die Mindestanlage sowie die Moeglichkeit, per Sparplan schon ab kleinen Betraegen einzuzahlen. Wichtig ist ausserdem, ob der Anbieter passiv nach fester Zielgewichtung arbeitet oder die Quote aktiv steuert – und wie transparent er die eingesetzten ETFs offenlegt.
Ein Blick lohnt sich auch auf Zusatzfunktionen wie steuerliche Optimierung, Entnahmeplaene fuer die Rente oder Nachhaltigkeitsportfolios. Achte darauf, wo dein Depot gefuehrt wird: Liegt es bei einer deutschen Partnerbank, laeuft die Abgeltungsteuer automatisch, und dein Verrechnungskonto faellt unter die deutsche Einlagensicherung. Teste die App vorab – du wirst dein Portfolio hier ueber Jahre begleiten.
Fuer wen sich ein Robo-Advisor lohnt
Ein Robo-Advisor in Deutschland passt vor allem zu Einsteigern, die regelmaessig anlegen wollen, aber weder Zeit noch Lust auf ETF-Auswahl und Rebalancing haben. Wer sich hingegen zutraut, ein simples Weltportfolio selbst zu fuehren, faehrt mit einem eigenen Sparplan langfristig guenstiger. Weitere Grundlagen findest du in unserer Rubrik Geldanlage.
Ab welchem Betrag lohnt sich ein Robo-Advisor?
Ist mein Geld bei einem Robo-Advisor sicher?
Was ist besser: Robo-Advisor oder eigener ETF-Sparplan?
Kuemmert sich der Robo-Advisor um meine Steuern?
Fazit
Ein Robo-Advisor ist ein bequemer Autopilot fuer den Vermoegensaufbau: breite Streuung, automatisches Rebalancing und emotionsfreie Regeln gegen eine Gebuehr von meist unter einem Prozent pro Jahr. Wer diesen Aufpreis fuer gesparte Zeit akzeptiert, macht wenig falsch. Wer jeden Euro Rendite mitnehmen will und sich einen simplen ETF-Sparplan zutraut, baut sein Weltportfolio guenstiger selbst.