Ein Neobroker Vergleich lohnt sich, weil zwischen den Anbietern größere Unterschiede liegen, als der erste Blick vermuten lässt. Trade Republic, Scalable Capital und Co. locken alle mit kostenlosen Depots und günstigen Sparplänen – doch bei Ordergebühren, Handelsplätzen, Zinsen aufs Guthaben und der Einlagensicherung trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Dieser Ratgeber zeigt dir die entscheidenden Auswahlkriterien und für wen welcher Broker passt.
Wichtig vorab: Konditionen ändern sich häufig. Die genannten Werte sind Stand 2026 – prüfe vor der Eröffnung immer die aktuellen Angaben des Anbieters.
In diesem Artikel
Was ist ein Neobroker?
Ein Neobroker ist ein rein digitaler Wertpapierbroker, den du komplett per App oder Browser bedienst. Ohne Filialnetz und mit schlanken Prozessen sind die Kosten drastisch niedriger als bei klassischen Banken: Depotführung und Sparpläne sind meist gratis, Einzelorders kosten oft nur rund einen Euro. Genau diese günstige Struktur hat den ETF-Sparplan für Millionen Anleger erst massentauglich gemacht.
Der Preis dafür: weniger Handelsplätze, oft nur ein einziger Ausführungsort und ein reduzierter Service ohne Telefon-Hotline. Für reine Buy-and-hold-Anleger ist das meist kein Nachteil.
Die wichtigsten Auswahlkriterien im Neobroker Vergleich
Bevor du dich für einen Anbieter entscheidest, solltest du sechs Punkte prüfen. Sie entscheiden darüber, wie viel Rendite am Ende bei dir bleibt.
- Sparplankosten: Bei den meisten Neobrokern sind ETF-Sparpläne dauerhaft kostenlos – das ist für den langfristigen Vermögensaufbau der wichtigste Faktor.
- Ordergebühren: Für Einzelkäufe fällt oft eine Pauschale von rund 1 € an. Vieltrader sollten genauer rechnen.
- Handelsplätze: Manche Broker bieten nur einen Handelsplatz (etwa LS Exchange oder Gettex), Direktbanken zusätzlich Xetra und Regionalbörsen.
- Produktauswahl: ETFs und Aktien haben alle; Anleihen, Krypto oder Bruchstücke variieren.
- Zinsen aufs Guthaben: Einige Broker verzinsen nicht investiertes Cash – variabel und an das Zinsniveau gekoppelt.
- Sicherheit und Steuer: Deutsche Broker führen die Abgeltungsteuer automatisch ab, was die Steuererklärung enorm vereinfacht.
Wie stark selbst kleine laufende Kosten die Rendite über Jahrzehnte bremsen, zeigt unser Beitrag zur Gesamtkostenquote (TER) – ein Punkt, den viele Einsteiger unterschätzen.
Trade Republic, Scalable und Direktbank im Vergleich
Die folgende Tabelle stellt die drei typischen Depot-Modelle gegenüber. Sie ersetzt keine Einzelprüfung, gibt aber eine schnelle Orientierung.
| Kriterium | Trade Republic | Scalable Capital | Direktbank |
|---|---|---|---|
| ETF-Sparplan | kostenlos | kostenlos | meist kostenlos |
| Order (Einzelkauf) | rund 1 € | gratis im Abo, sonst rund 1 € | höher, staffelabhängig |
| Handelsplatz | LS Exchange | Gettex, Xetra optional | Xetra & Börsen |
| Cash-Zinsen | ja, variabel | ja, im Abo | selten |
| Steuer automatisch | ja | ja | ja |
| Service | App only | App only | Telefon & Filiale |
Scalable Capital fasst zudem Broker und digitale Vermögensverwaltung unter einem Dach zusammen. Wer nicht selbst auswählen, sondern die Anlage automatisieren möchte, sollte auch einen Blick auf Robo-Advisor in Deutschland werfen.
Sicherheit: Einlagensicherung und Sondervermögen
Ein häufiges Missverständnis: Deine ETFs sind unabhängig von der Einlagensicherung geschützt. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und bleiben bei einer Pleite des Brokers dein Eigentum. Die Einlagensicherung greift nur für Bargeld auf dem Verrechnungskonto – und deckt bis zu 100.000 € pro Kunde und Bank ab. Details erklärt der Ratgeber zur Einlagensicherung.
Achte darauf, ob ein Anbieter eine eigene Banklizenz besitzt oder als Wertpapierhandelsbank mit einer Partnerbank arbeitet. Beides ist reguliert und sicher, beeinflusst aber, welche Bank dein Cash hält.
Für wen sich welcher Broker eignet
Bist du reiner Sparplan-Anleger, der monatlich einen Welt-ETF bespart und ansonsten kaum handelt? Dann reicht ein kostenloses Neobroker-Modell völlig aus – die fehlenden Handelsplätze fallen bei einem langfristigen ETF-Sparplan praktisch nicht ins Gewicht. Handelst du dagegen häufiger einzelne Aktien oder legst Wert auf Xetra und limitierte Orders, spielt eine Direktbank oder ein Abo-Modell mit inkludierten Trades seine Stärken aus.
Auch dein Bedürfnis nach Service zählt: Wer bei Fragen lieber zum Telefon greift oder eine Filiale in der Nähe schätzt, ist bei einer klassischen Direktbank besser aufgehoben. Junge Anleger und Einsteiger, die alles per App erledigen wollen, kommen mit einem schlanken Neobroker dagegen oft am schnellsten ans Ziel. Achte zusätzlich darauf, ob Bruchstücke (Fractional Shares) handelbar sind – das ist praktisch, wenn du mit kleinen, festen Beträgen sparst und teure Einzelaktien anteilig kaufen willst.
- Kostenlose Depotführung und gratis ETF-Sparpläne
- Sehr niedrige Ordergebühren
- Einfache Bedienung per App
- Automatische Abführung der Abgeltungsteuer
- Oft nur ein Handelsplatz
- Kein persönlicher Service per Telefon oder Filiale
- Konditionen können sich kurzfristig ändern
- Verlockung zum häufigen, teuren Traden
Welcher Neobroker ist der beste?
Ist mein Geld bei einem Neobroker sicher?
Führt ein Neobroker die Steuer automatisch ab?
Kann ich mein bestehendes Depot zu einem Neobroker mitnehmen?
Fazit
Der wichtigste Punkt im Neobroker Vergleich ist nicht der letzte Cent bei der Ordergebühr, sondern die Frage, was zu deinem Anlageverhalten passt: kostenlose Sparpläne für Buy-and-hold, ausreichend Handelsplätze für Vieltrader und eine solide Einlagensicherung für dein Cash. Richte am Ende einen Freistellungsauftrag ein und prüfe eine mögliche Wechselprämie – dann holst du das Beste aus deinem neuen Depot heraus. Weitere Grundlagen findest du in unserer Kategorie Geldanlage.