Zwei Nachbarn, dasselbe Auto – und trotzdem zahlt der eine deutlich mehr für die Kfz-Versicherung. Der Grund steckt oft in Typklasse und Regionalklasse. Diese beiden Kennzahlen bewerten, wie schadenanfällig Ihr Fahrzeugmodell und Ihr Wohnort statistisch sind. Sie können sie kaum beeinflussen, sollten aber wissen, wie sie funktionieren – denn schon ein Umzug oder der Kauf eines anderen Modells kann Ihren Beitrag spürbar verändern.
Beide Klassen werden jährlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) neu berechnet und veröffentlicht. Die Versicherer übernehmen sie meist, sind aber nicht dazu verpflichtet.
In diesem Artikel
Was ist die Typklasse?
Die Typklasse bewertet Ihr konkretes Fahrzeugmodell. Der GDV wertet dafür die Schadenbilanz jedes Modells aus: Wie oft sind Autos dieses Typs in Unfälle verwickelt, wie teuer sind Reparatur und Ersatz? Modelle, die selten und günstig Schäden verursachen, bekommen eine niedrige Typklasse; unfallträchtige oder teure Fahrzeuge eine hohe.
Für jede der drei Deckungen gibt es eine eigene Skala: In der Haftpflicht reichen die Typklassen von 10 bis 25, in der Teilkasko von 10 bis 33 und in der Vollkasko von 10 bis 34. Ein sportliches oder besonders leistungsstarkes Auto liegt fast immer höher als ein sparsamer Kleinwagen. Die Einstufung ändert sich jährlich – Ihr Modell kann also hoch- oder heruntergestuft werden, ohne dass Sie etwas getan haben.
Was ist die Regionalklasse?
Die Regionalklasse bildet Ihren Wohnort ab, genauer den Zulassungsbezirk, in dem das Auto angemeldet ist. Deutschland ist in rund 400 solcher Bezirke unterteilt. Der GDV prüft, wie hoch die Schadenbilanz aller dort zugelassenen Fahrzeuge ausfällt – unabhängig davon, ob Sie selbst schuldfrei fahren. Viele Unfälle, Diebstähle oder Unwetterschäden in Ihrer Region treiben die Klasse nach oben.
Auch hier gibt es getrennte Skalen: In der Haftpflicht gibt es 12 Regionalklassen, in der Teilkasko 16 und in der Vollkasko 9. Großstädte und dicht besiedelte Bezirke schneiden oft schlechter ab als ländliche Gegenden. Deshalb kann derselbe Wagen in München oder Berlin teurer sein als in einem kleinen Landkreis.
Typklasse und Regionalklasse im Vergleich
| Merkmal | Typklasse | Regionalklasse |
|---|---|---|
| Bewertet | Ihr Fahrzeugmodell | Ihren Zulassungsbezirk |
| Grundlage | Schadenbilanz des Modells | Schadenbilanz der Region |
| Anzahl Klassen (Haftpflicht) | 16 (10–25) | 12 |
| Änderung | Neues Modell / jährlich | Umzug / jährlich |
| Von Ihnen beeinflussbar? | Ja, über die Modellwahl | Kaum, nur über den Wohnort |
So finden Sie Ihre eigenen Klassen heraus
Ihre Typklasse ermitteln Sie über die Herstellerschlüsselnummer (HSN) und die Typschlüsselnummer (TSN). Beide stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I – dem Fahrzeugschein – in den Feldern 2.1 und 2.2. Mit diesen Nummern zeigen Ihnen Online-Rechner die aktuelle Einstufung. Die Regionalklasse hängt einfach an der Postleitzahl beziehungsweise am Zulassungsbezirk.
Ein Beispiel aus der Praxis
Wie stark sich beide Klassen auswirken, zeigt ein Vergleich. Fährt jemand einen sparsamen Kleinwagen mit niedriger Typklasse in einem ländlichen Zulassungsbezirk mit guter Regionalklasse, zahlt er für dieselbe Deckung oft nur einen Bruchteil dessen, was ein Halter mit einem leistungsstarken Modell in einer schadenträchtigen Großstadt aufbringen muss. Bei der jährlichen Neuberechnung bleibt die Einstufung für viele Autofahrer gleich, ein Teil wird hoch-, ein Teil heruntergestuft. Deshalb lohnt es sich, nach jeder Anpassung kurz zu prüfen, ob der eigene Beitrag noch wettbewerbsfähig ist – und andernfalls den Anbieter zu wechseln.
Was Sie tun können – und was nicht
Die Regionalklasse ist praktisch fix: Sie ändert sich nur, wenn Sie umziehen und das Auto in einem anderen Bezirk anmelden. Ein Umzug allein wegen der Versicherung lohnt sich natürlich nicht, aber bei einem ohnehin geplanten Wohnortwechsel kann sich der Beitrag nebenbei verändern – in beide Richtungen.
Die Typklasse beeinflussen Sie dagegen aktiv, nämlich über die Wahl des Modells. Wird Ihr Fahrzeug jährlich hochgestuft und steigt der Beitrag, kann sich ein Wechsel des Anbieters lohnen. Ohnehin sollten Sie die Tarife regelmäßig vergleichen, denn eine schlechtere Typ- oder Regionalklasse fällt bei jedem Versicherer unterschiedlich ins Gewicht.
- Die Wahl eines Modells mit niedriger Typklasse
- Einen höheren Selbstbehalt in der Kasko
- Eine gute Schadenfreiheitsklasse
- Den regelmäßigen Tarifvergleich
- Die Regionalklasse Ihres Wohnorts
- Die jährliche Neuberechnung durch den GDV
- Die allgemeine Schadenbilanz Ihres Modells
Zusammenspiel mit den anderen Faktoren
Typklasse und Regionalklasse sind nur zwei von vielen Beitragsfaktoren. Genauso wichtig ist Ihre Schadenfreiheitsklasse, die jedes unfallfreie Jahr belohnt. Auch die gewählte Deckung zählt: Ob Sie sich für Haftpflicht, Teil- oder Vollkasko entscheiden, verändert den Beitrag erheblich. Fahranfänger können zusätzlich mit einem Telematik-Tarif sparen. Und wenn der Beitrag nach der jährlichen Neueinstufung steigt, haben Sie häufig ein Sonderkündigungsrecht – wie der Wechsel mit eVB-Nummer funktioniert, erklären wir separat.
Warum ändert sich meine Typklasse ohne mein Zutun?
Kann ich durch einen Umzug Beitrag sparen?
Wo finde ich HSN und TSN meines Autos?
Haben alle Versicherer dieselben Klassen?
Fazit
Typklasse und Regionalklasse erklären, warum Ihre Kfz-Versicherung so viel kostet: Die eine bewertet Ihr Modell, die andere Ihren Wohnort. Beeinflussen können Sie vor allem die Typklasse – und zwar bereits bei der Modellwahl. Prüfen Sie die Einstufung vor dem Autokauf, behalten Sie die jährlichen Anpassungen im Auge und vergleichen Sie die Tarife regelmäßig. Weitere Ratgeber finden Sie in unserer Versicherungs-Rubrik.