Nachhaltige ETFs versprechen, dass dein Geld nicht nur Rendite bringt, sondern auch oekologische und soziale Kriterien beruecksichtigt. Doch hinter Kuerzeln wie ESG, SRI und den SFDR-Kategorien verbergen sich sehr unterschiedliche Ansaetze. Manche Fonds schliessen nur ein paar besonders schmutzige Branchen aus, andere waehlen streng die nachhaltigsten Unternehmen. Wer nachhaltige ETFs kaufen will, sollte deshalb genau verstehen, was das jeweilige Etikett tatsaechlich bedeutet, wo Kompromisse lauern und wie du Greenwashing erkennst. Dieser Ratgeber uebersetzt die wichtigsten Begriffe in Klartext.

Der Markt ist riesig: Von nahezu jedem grossen Index gibt es mittlerweile eine nachhaltige Variante, etwa den MSCI World SRI oder den MSCI World ESG Screened. Die Unterschiede zwischen diesen Versionen entscheiden darueber, wie stark dein Portfolio vom klassischen Weltindex abweicht. Wer bewusst nachhaltig anlegen will, sollte deshalb genauer hinsehen als bei einem Standard-ETF und die Auswahl nicht dem Zufall oder dem Fondsnamen ueberlassen.

In diesem Artikel

Was ESG, SRI und Best-in-Class bedeuten

ESG steht fuer Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensfuehrung. Ein ESG-Screening entfernt meist nur die kontroversesten Geschaeftsfelder wie Kohle, Waffen oder Tabak und schliesst Firmen mit gravierenden Verstoessen aus. SRI (Socially Responsible Investing) geht deutlich strenger vor und behaelt oft nur die besten 25 % einer Branche. Der Best-in-Class-Ansatz waehlt aus jeder Branche die nachhaltigsten Vertreter, statt ganze Sektoren auszuschliessen. Je strenger der Filter, desto staerker weicht der Fonds vom Ausgangsindex ab und desto konzentrierter wird er.

Die SFDR-Kategorien Artikel 6, 8 und 9

Seit 2021 muessen Fondsanbieter in der EU offenlegen, wie nachhaltig ihre Produkte sind. Die Offenlegungsverordnung SFDR teilt Fonds in drei Gruppen ein. Diese Einordnung findest du im Verkaufsprospekt und in vielen Factsheets.

Kategorie Bedeutung Beispiel
Artikel 6 Keine ausdruecklichen Nachhaltigkeitsziele klassischer MSCI World
Artikel 8 Bewirbt oekologische oder soziale Merkmale ("hellgruen") MSCI World ESG Screened
Artikel 9 Verfolgt ein explizites Nachhaltigkeitsziel ("dunkelgruen") Paris-Aligned-Benchmark-ETF

Wichtig: Die SFDR ist eine Transparenz-Verordnung, kein Guetesiegel. Ein Artikel-8-Fonds ist nicht automatisch besonders gruen, er muss lediglich nachhaltige Merkmale bewerben. Verlass dich deshalb nie allein auf die Kategorie, sondern schau in die Ausschlusskriterien und die groessten Positionen.

Welche Kompromisse nachhaltige ETFs mit sich bringen

Je strenger ein Fonds filtert, desto weniger Titel bleiben uebrig. Ein MSCI World SRI enthaelt oft nur rund 300 statt 1.500 Unternehmen. Das erhoeht das Klumpenrisiko: SRI-Varianten sind haeufig stark in Technologiewerten uebergewichtet, weil diese als sauber gelten. Faellt dieser Sektor, trifft es dein Portfolio ueberdurchschnittlich. Auch die laufenden Kosten liegen meist leicht ueber denen des Standardindex, und diesen Aufpreis solltest du bewusst gegen deinen Nachhaltigkeitsanspruch abwaegen. Wer breite Streuung schaetzt, sollte die Diversifikation seines Depots im Blick behalten und nachhaltige Bausteine bewusst gewichten.

Greenwashing erkennen: Ein Fonds mit gruenem Namen kann trotzdem Oel- oder Ruestungskonzerne enthalten. Pruefe drei Dinge: die konkreten Ausschlusskriterien, die zehn groessten Positionen im Factsheet und ob unabhaengige Daten wie das MSCI-ESG-Rating vorliegen. Marketingbegriffe wie "green" oder "sustainable" im Fondsnamen sind kein Beweis.

Pro und Contra nachhaltiger ETFs

Vorteile
  • Ausschluss besonders kontroverser Branchen
  • Grosse Auswahl fuer nahezu jeden Index verfuegbar
  • SFDR sorgt fuer mehr Transparenz
  • Historisch aehnliche Rendite wie klassische Indizes
Nachteile
  • Geringere Streuung bei strengen SRI-Filtern
  • Sektor-Klumpen, oft Tech-Uebergewicht
  • Leicht hoehere Kostenquote
  • Greenwashing-Gefahr durch schwammige Kriterien

So waehlst du einen nachhaltigen ETF aus

Lege zuerst fest, wie streng es sein soll: Reicht dir ein leichter ESG-Screened-Filter, der nah am Weltindex bleibt, oder willst du einen strengen SRI- oder Paris-Aligned-Ansatz? Vergleiche danach die Kennzahlen. Die laufenden Kosten spielen ueber Jahrzehnte eine grosse Rolle, deshalb lohnt ein Blick in unseren Ratgeber zur TER und Gesamtkostenquote. Achte ausserdem auf Fondsvolumen und Handelbarkeit. Ein nachhaltiger ETF laesst sich genauso einfach besparen wie jeder andere, die Grundlagen dazu findest du im ETF-Sparplan fuer Einsteiger. Wer sich die Auswahl ganz ersparen will, findet auch bei vielen Robo-Advisorn in Deutschland nachhaltige Portfolios.

Wie verlaesslich sind ESG-Ratings?

Ein oft uebersehenes Problem: Verschiedene Rating-Agenturen bewerten dasselbe Unternehmen teils voellig unterschiedlich. Waehrend ein Anbieter einen Konzern als vorbildlich einstuft, kann ein anderer ihn wegen fehlender Daten oder anderer Massstaebe abwerten. Diese Diskrepanz nennt man Rating-Divergenz, und sie erklaert, warum zwei angeblich nachhaltige ETFs voellig andere Titel enthalten koennen. Fuer dich bedeutet das: Verlass dich nicht auf eine einzelne Kennzahl oder ein Etikett. Schau, welche Methodik hinter dem zugrunde liegenden Index steckt, welche Branchen komplett ausgeschlossen sind und wie streng die Schwellenwerte gesetzt werden. Nur so erkennst du, ob ein Fonds deinen persoenlichen Nachhaltigkeitsanspruechen wirklich gerecht wird oder ob der gruene Anstrich vor allem dem Marketing dient.

Bringen nachhaltige ETFs weniger Rendite?
Historisch liegen viele ESG- und SRI-Varianten renditemaessig nah an ihren Standardindizes, teils darueber, teils darunter. Der groessere Unterschied liegt im Risiko durch geringere Streuung, nicht zwingend in der langfristigen Rendite.
Ist ein Artikel-9-Fonds automatisch am nachhaltigsten?
Nicht unbedingt. Artikel 9 bedeutet nur, dass der Fonds ein explizites Nachhaltigkeitsziel verfolgt und dies offenlegt. Entscheidend bleiben die konkreten Kriterien und der tatsaechliche Portfolioinhalt.
Was ist der Unterschied zwischen ESG und SRI?
ESG-Screening schliesst meist nur die kontroversesten Branchen aus und bleibt breit. SRI ist strenger und behaelt oft nur die nachhaltigsten Unternehmen je Branche, was zu einem konzentrierteren Portfolio fuehrt.
Wie viele nachhaltige ETFs brauche ich?
In der Regel reicht ein breit gestreuter nachhaltiger Welt-ETF als Basis. Wichtiger als die Anzahl ist, dass die Streuung ueber Regionen und Branchen stimmt und die Kosten niedrig bleiben.

Fazit

Nachhaltige ETFs machen es einfach, Umwelt- und Sozialkriterien ins Depot zu holen, doch das Etikett allein sagt wenig aus. Verstehe den Unterschied zwischen ESG, SRI und den SFDR-Kategorien, pruefe die Ausschlusskriterien und die groessten Positionen und achte auf Streuung und Kosten. So triffst du eine bewusste Entscheidung, statt dich von einem gruenen Fondsnamen leiten zu lassen.

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