Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wie groß die Differenz wirklich ist, findest du nur heraus, wenn du deine Rentenlücke berechnen lässt – also den Abstand zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was Rentenkasse und Vorsorge tatsächlich liefern. In diesem Ratgeber gehst du diese Rechnung in fünf klaren Schritten durch, inklusive Steuer, Kranken­versicherung und Inflation.

Das Ergebnis ist oft ernüchternd, aber wertvoll: Nur wer seine Lücke in Euro kennt, kann sie gezielt schließen – mit der richtigen Sparrate und den passenden Bausteinen.

In diesem Artikel

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deinem finanziellen Bedarf im Ruhestand und deinem tatsächlichen Renteneinkommen. Das gesetzliche Sicherungsniveau liegt bei rund 48 % vor Steuern – die gesetzliche Rente ersetzt also grob die Hälfte des Durchschnittseinkommens. Wer mehr verdient hat oder länger leben wird, hat tendenziell eine größere Lücke.

Hinzu kommt: Von der Bruttorente gehen noch Steuern und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Was am Ende netto bleibt, ist deutlich weniger, als viele erwarten.

Schritt 1: Die Renteninformation richtig lesen

Die Deutsche Rentenversicherung schickt allen Versicherten ab 27 Jahren mit mindestens fünf Beitragsjahren einmal jährlich eine Renteninformation. Darauf findest du drei zentrale Zahlen: deine bereits erreichte Rente, die hochgerechnete Rente bei gleichbleibenden Beiträgen und einen Hinweis zur Kaufkraft. Genau die hochgerechnete Bruttorente ist dein Ausgangspunkt.

Wichtig: Diese Zahl ist eine Bruttorente in heutiger Kaufkraft und berücksichtigt weder Steuern noch die reale Preissteigerung über die nächsten Jahrzehnte. Beides musst du selbst herausrechnen.

Schritt 2: Von der Brutto- zur Nettorente

Von der Bruttorente ziehst du zwei Posten ab. Erstens die Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner: Zusammen sind das grob 11 bis 12 % der Rente. Zweitens die Steuer: Für einen Rentenbeginn im Jahr 2026 sind rund 84 % der Rente steuerpflichtig; wie viel du tatsächlich zahlst, hängt von deinem Gesamteinkommen und dem Grundfreibetrag ab. Bei kleinen Renten fällt oft gar keine Steuer an.

Als grobe Faustregel bleiben von der Bruttorente rund 80 % netto übrig. Aus 1.900 € brutto werden so etwa 1.500 € netto – und mit diesem Nettobetrag rechnest du weiter.

Schritt 3: Deinen Bedarf im Alter bestimmen

Jetzt bestimmst du, wie viel Geld du monatlich brauchst. Als Richtwert gelten rund 80 % deines heutigen Nettoeinkommens, weil einige Kosten im Alter wegfallen (etwa Beiträge zur Rentenversicherung oder abbezahlte Kredite), andere aber steigen (Gesundheit, Pflege, Freizeit). Wer im Alter eine abbezahlte Immobilie bewohnt, kommt oft mit weniger aus.

Die Differenz zwischen diesem Bedarf und deiner Nettorente ist deine nominale Rentenlücke. Die folgende Beispielrechnung macht das greifbar.

Position Betrag pro Monat
Heutiges Nettoeinkommen 2.800 €
Bedarf im Alter (rund 80 %) 2.240 €
Erwartete Nettorente 1.500 €
Rentenlücke 740 €

Schritt 4: Inflation nicht vergessen

Der gefährlichste Fehler ist, die Inflation zu ignorieren. 740 € Lücke klingen überschaubar – doch in 30 Jahren ist die Kaufkraft dieses Betrags bei 2 % Inflation nur noch gut die Hälfte wert. Umgekehrt musst du später deutlich mehr Euro aufbringen, um denselben Lebensstandard zu finanzieren.

Rechne deine Lücke immer real, nicht nominal. Warum Geld auf dem Konto über die Jahre still an Wert verliert und wie du dich davor schützt, erklärt unser Beitrag zu Inflation und Kaufkraft. Als grobe Regel solltest du deine geplante Sparrate regelmäßig an die Teuerung anpassen.

Schritt 5: Nötige Sparrate ableiten

Aus der monatlichen Lücke leitest du das benötigte Kapital ab. Eine verbreitete Faustregel ist die 4-Prozent-Regel: Du kannst dauerhaft etwa 4 % deines Vermögens pro Jahr entnehmen. Um 740 € im Monat (8.880 € im Jahr) zu decken, brauchst du also grob 222.000 € angespartes Kapital.

Diese Summe baust du über einen breit gestreuten Aktien-ETF auf. Bei rund 6 % durchschnittlicher Rendite pro Jahr und 30 Jahren Anlagedauer genügen dafür etwa 220 € monatliche Sparrate. Je früher du startest, desto stärker arbeitet der Zinseszins für dich. Wie du so einen Sparplan einrichtest, zeigt der ETF-Sparplan für Einsteiger. Ob du eine größere Summe lieber sofort oder gestaffelt investierst, ist eine eigene Frage.

Die Lücke musst du nicht mit einem einzigen Baustein schließen. Kombiniere gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, das kommende geförderte Altersvorsorgedepot und private ETFs zu einem robusten Gesamtplan.

Wo finde ich die Zahlen für meine Rentenlücke?
Die hochgerechnete Bruttorente steht in deiner jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Dein heutiges Nettoeinkommen findest du auf der Gehaltsabrechnung. Mit beiden Werten und den Abzügen für Steuer und Krankenversicherung kannst du die Lücke selbst ausrechnen.
Wie viel Prozent meines Einkommens brauche ich im Alter?
Als Richtwert gelten rund 80 % des letzten Nettoeinkommens. Wer im Alter mietfrei wohnt oder bescheiden lebt, kommt oft mit weniger aus. Wer viel reisen oder höhere Gesundheitskosten einplanen muss, sollte eher mehr ansetzen.
Muss ich meine Rente wirklich versteuern?
Ja, ein wachsender Anteil der Rente ist steuerpflichtig; für einen Rentenbeginn 2026 sind es rund 84 %. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt aber von deinem Gesamteinkommen ab. Kleine Renten bleiben durch den Grundfreibetrag häufig steuerfrei.
Ab wann sollte ich mit dem Schließen der Lücke beginnen?
So früh wie möglich. Wegen des Zinseszinses ist jeder Euro, den du mit 25 statt mit 45 anlegst, ein Vielfaches wert. Selbst kleine Raten summieren sich über Jahrzehnte zu beträchtlichen Beträgen.

Fazit

Deine Rentenlücke berechnen heißt: Bedarf im Alter minus erwartete Nettorente, ehrlich um Steuer, Krankenversicherung und Inflation bereinigt. Erst diese reale Zahl zeigt, wie viel du monatlich zurücklegen musst. Mit einem früh gestarteten, breit gestreuten ETF-Sparplan und den geförderten Bausteinen der Altersvorsorge lässt sich selbst eine große Lücke über die Jahre gut schließen – entscheidend ist, heute anzufangen.

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