Die staatlich geförderte Riester-Rente gilt vielen als gescheitert – zu teuer, zu unflexibel, zu wenig Rendite. Mit dem Altersvorsorgedepot 2027 soll ein moderner Nachfolger an den Start gehen, der erstmals eine geförderte Anlage in Aktien und ETFs ohne teure Beitragsgarantie erlaubt. Gemeint ist ein reines Wertpapierdepot, in das der Staat Zulagen einzahlt und in dem dein Geld an den weltweiten Kapitalmärkten arbeitet – renditestark statt garantiert renditeschwach.

Wichtig vorab: Das Reformgesetz ist Stand 2026 noch nicht endgültig beschlossen. Die folgenden Beträge stammen aus dem Entwurf und können sich im Gesetzgebungsverfahren noch ändern. Als Orientierung, wie das geförderte Depot funktionieren soll und für wen es sich lohnt, taugen sie aber bereits heute.

In diesem Artikel

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein privates Wertpapierdepot, das du bei einer Bank oder einem Broker führst und in das der Staat – ähnlich wie bei Riester – Zulagen einzahlt. Der entscheidende Unterschied: Es gibt keine Pflicht mehr zur vollen Beitragsgarantie. Bei Riester musste der Anbieter garantieren, dass zum Rentenbeginn mindestens alle Beiträge plus Zulagen zur Verfügung stehen. Diese Garantie fraß in der Niedrigzinsphase fast die gesamte Renditechance auf, weil das Geld in sicheren, aber ertragsarmen Anlagen geparkt werden musste.

Im neuen Depot wählst du selbst aus zertifizierten, kostengünstigen Produkten – vor allem breit gestreuten ETFs. Bestehende Riester-Verträge sollen weiterlaufen dürfen; ein Wechsel ins geförderte Depot ist geplant. Ob du das neue Modell eher mit der klassischen Rente vergleichst, zeigt unser Beitrag Riester oder Rürup im Vergleich.

So funktioniert die Förderung im Altersvorsorgedepot 2027

Statt fester Zulagenpauschalen wie bei Riester ist eine prozentuale Grundförderung geplant: Der Staat legt für jeden selbst eingezahlten Euro einen festen Betrag obendrauf. Familien und Berufseinsteiger erhalten zusätzliche Boni. Die folgende Tabelle fasst die im Entwurf genannten Bausteine zusammen.

Förderbaustein Höhe (laut Entwurf) Voraussetzung
Grundförderung 0,20 € je 1 € Eigenbeitrag auf geförderte Eigenbeiträge
Geförderte Eigenbeiträge bis 3.000 € pro Jahr (später bis 3.500 €) selbst einzahlen
Kinderzulage 0,25 € je 1 € Eigenbeitrag, gedeckelt je kindergeldberechtigtem Kind
Berufseinsteigerbonus einmalig rund 200 € junge Sparer unter 25
Geringverdienerbonus rund 175 € pro Jahr bei niedrigem Einkommen

Ein Rechenbeispiel: Zahlst du 3.000 € im Jahr ein, ergibt die Grundförderung 600 € obendrauf – das sind 20 % Sofortrendite, bevor der ETF überhaupt eine Kursbewegung gemacht hat. Mit zwei Kindern und dem entsprechenden Zulagenanteil kann die staatliche Unterstützung deutlich höher ausfallen.

Der große Unterschied zu Riester

Der Systemwechsel betrifft vor allem drei Punkte: die wegfallende Garantiepflicht, die freie ETF-Auswahl und eine flexiblere Auszahlung. Statt einer erzwungenen lebenslangen Verrentung soll auch ein Auszahlplan möglich sein, mit dem du dir das Kapital ab dem gesetzlich festgelegten Alter in Raten oder teilweise als Einmalbetrag auszahlen lässt.

Vorteile gegenüber Riester
  • Keine renditefressende Beitragsgarantie mehr
  • Freie Wahl günstiger Welt-ETFs
  • Prozentuale Förderung auf jeden Eigenbeitrag
  • Flexiblere Auszahlung statt Zwangsverrentung
  • Deutlich transparentere Kosten
Was du beachten musst
  • Kein Kapitalschutz – Kursrisiko liegt bei dir
  • Förderung an Rentenbeginn gebunden, kein freier Zugriff
  • Nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlphase
  • Endgültige Regeln Stand 2026 noch offen

Für wen sich das geförderte Depot lohnt

Besonders interessant ist das Modell für jüngere Sparer mit langem Anlagehorizont: Wer 20, 30 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, kann Kursschwankungen aussitzen und profitiert am stärksten vom Zinseszins auf ETF-Basis. Auch Familien mit Kindern und Geringverdiener dürften über die Zusatzboni stark profitieren.

Wer dagegen nur wenige Jahre bis zum Ruhestand hat oder jederzeit an sein Geld kommen möchte, ist mit einem flexiblen, frei verfügbaren ETF-Sparplan ohne Förderbindung oft besser bedient. Prüfe deshalb zuerst, wie groß deine spätere Versorgungslücke überhaupt ist – das rechnest du im Ratgeber Rentenlücke berechnen Schritt für Schritt aus.

So bereitest du dich auf 2027 vor

Auch wenn das Depot erst kommt, kannst du dich schon jetzt vorbereiten. Erstens: Verschaffe dir einen Überblick über deine gesamte Altersvorsorge, inklusive gesetzlicher Rente und einer eventuellen betrieblichen Altersvorsorge. Zweitens: Baue schon heute Erfahrung mit einem gewöhnlichen ETF-Sparplan auf, damit du 2027 nicht bei null anfängst.

Drittens: Halte deine Riester-Unterlagen bereit, falls du einen Altvertrag ins neue Depot überführen willst. Und viertens: Warte mit größeren Weichenstellungen, bis das Gesetz verabschiedet ist und die endgültigen Fördersätze feststehen. Bis dahin bleibt ein breit gestreutes, grünes Depot die solide Basis. Weitere Grundlagen findest du in unserer Kategorie Geldanlage.

Achtung Zeitplan: Ein gesetzlicher Starttermin bedeutet nicht, dass alle Banken sofort passende Depots anbieten. Rechne mit einer Anlaufphase und vergleiche die Kosten der Anbieter, bevor du dich bindest – hohe Depot- oder Produktgebühren können die Förderung schnell aufzehren.
Wann startet das Altersvorsorgedepot genau?
Nach dem aktuellen Reformentwurf ist ein Start rund um 2027 vorgesehen. Ein fixes Datum steht Stand 2026 noch nicht endgültig fest, weil das Gesetz das parlamentarische Verfahren noch durchlaufen muss. Verfolge die offiziellen Ankündigungen, bevor du planst.
Kann ich meinen Riester-Vertrag ins neue Depot übertragen?
Der Entwurf sieht vor, dass bestehende Riester-Verträge weiterlaufen und ein Wechsel ins geförderte Depot möglich sein soll. Die genauen Übergangsregeln legt erst das finale Gesetz fest. Bewahre deine Vertragsunterlagen bis dahin gut auf.
Gibt es weiterhin eine Beitragsgarantie?
Nein, genau das ist der Kern der Reform: Die verpflichtende 100-Prozent-Beitragsgarantie fällt weg. Dadurch kannst du voll in Aktien-ETFs investieren und höhere Renditechancen nutzen – trägst aber auch das Kursrisiko selbst.
Wie wird die Auszahlung besteuert?
Vorgesehen ist eine nachgelagerte Besteuerung: In der Ansparphase bleibt die Förderung steuerfrei, dafür versteuerst du die Auszahlungen im Rentenalter mit deinem dann meist niedrigeren persönlichen Steuersatz. Details hängen von der finalen Ausgestaltung ab.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot 2027 könnte die geförderte Altersvorsorge endlich modern machen: renditestarke ETFs statt Garantiezwang, prozentuale Zulagen auf jeden Euro und eine flexiblere Auszahlung. Solange das Gesetz nicht final beschlossen ist, gilt: informieren, mit einem normalen ETF-Sparplan Erfahrung sammeln und die eigene Rentenlücke kennen. Wer 2027 vorbereitet startet, holt aus der staatlichen Förderung das Maximum heraus.

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