Wer für Kinder oder Enkel früh Geld anlegt, verschafft ihnen den größten Vorteil überhaupt: Zeit. Ein Junior-Depot – oft auch Kinderdepot genannt – läuft auf den Namen des Kindes und lässt den Zinseszins über 18 Jahre oder länger arbeiten. Schon kleine monatliche Beträge können so bis zur Volljährigkeit zu einer beachtlichen Summe heranwachsen.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie ein Junior-Depot funktioniert, welche Steuervorteile es bietet, welche Stolperfallen du kennen solltest und wie du in wenigen Schritten startest.

In diesem Artikel

Was ein Junior-Depot ist

Ein Junior-Depot ist ein Wertpapierdepot, das Eltern für ihr minderjähriges Kind eröffnen. Der Clou: Das Depot läuft auf den Namen und die Steueridentifikationsnummer des Kindes. Die Eltern verwalten es treuhänderisch, bis das Kind volljährig wird. Danach gehört das Vermögen allein dem Kind, das dann frei darüber verfügen kann.

In einem solchen Depot kannst du dieselben Produkte kaufen wie in deinem eigenen – am beliebtesten sind breit gestreute Welt-ETFs. Wie du damit ganz konkret startest, zeigt der ETF-Sparplan für Einsteiger. Viele Eltern kombinieren einen Grund-ETF nach dem Muster Weltportfolio nach 70/30 mit einer festen monatlichen Sparrate.

Der große Steuervorteil: eigener Freibetrag des Kindes

Der wichtigste Grund für ein Depot auf den Kindesnamen ist steuerlich. Denn das Kind hat eigene Freibeträge, die sich stapeln lassen:

Freibetrag des Kindes Betrag (Stand 2026)
Sparerpauschbetrag 1.000 €
Grundfreibetrag über 12.000 €
Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 €

Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag sind ohnehin steuerfrei, wenn du einen Freistellungsauftrag richtig einrichtest. Darüber hinaus kann das Kind über eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt erreichen, dass die Bank gar keine Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge einbehält – solange die gesamten Einkünfte des Kindes unter dem Grundfreibetrag bleiben. In der Praxis können so pro Jahr Erträge im vier- bis fünfstelligen Bereich steuerfrei bleiben, weit mehr als bei einem Depot der Eltern.

Diese Stolperfallen solltest du kennen

Das Geld gehört dem Kind – unwiderruflich. Mit der Einzahlung wird das Vermögen rechtlich zum Eigentum des Kindes. Du darfst es nur im Interesse des Kindes verwenden, nicht für eigene Zwecke zurückholen. Ab 18 entscheidet allein das Kind über das gesamte Depot.

Zwei weitere Punkte sind wichtig. Erstens die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse: Übersteigen die Einkünfte des Kindes eine bestimmte monatliche Grenze (2026 rund 500 € im Monatsdurchschnitt), kann die kostenlose Mitversicherung entfallen. Bei reinen ETF-Sparplänen mit Kursgewinnen wird das selten zum Problem, bei hohen Ausschüttungen oder Verkäufen aber schon. Zweitens beim BAföG: Eigenes Vermögen des Kindes wird bei einem späteren BAföG-Antrag ab einem Freibetrag angerechnet und kann die Förderung mindern. Wer das Depot rund um den Studienbeginn kritisch findet, plant den Einsatz besser vorher.

In vier Schritten zum Junior-Depot

Der Weg zum eigenen Kinderdepot ist unkompliziert:

  • Anbieter wählen: Mehrere Direktbanken und Broker bieten spezielle Junior-Depots an. Ein Neobroker-Vergleich hilft, günstige oder kostenlose Sparpläne zu finden.
  • Unterlagen bereitlegen: Geburtsurkunde des Kindes, Steuer-ID und Ausweise beider Elternteile. In der Regel müssen beide sorgeberechtigten Eltern unterschreiben.
  • Sparplan einrichten: Einen breit gestreuten Welt-ETF auswählen und eine monatliche Rate festlegen, oft schon ab 25 €.
  • Freistellung sichern: Freistellungsauftrag stellen und bei Bedarf eine NV-Bescheinigung beantragen.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Kraft der Zeit: Legst du ab der Geburt 100 € monatlich an und rechnest langfristig mit rund 6 Prozent Rendite pro Jahr, ergibt sich bis zum 18. Geburtstag ein Depotwert von etwa 38.000 €. Eingezahlt hast du davon nur 21.600 € – der Rest ist Zinseszins. Solche Renditen sind nicht garantiert und Aktienmärkte schwanken, doch über 18 Jahre gleicht sich vieles aus.

Vorteile
  • Eigene Steuerfreibeträge des Kindes nutzbar
  • Langer Anlagehorizont für den Zinseszins
  • Schon kleine Raten wirken über die Jahre stark
Nachteile
  • Geld gehört unwiderruflich dem Kind
  • Ab 18 volle Verfügungsgewalt des Kindes
  • Mögliche Folgen für Familienversicherung und BAföG

Junior-Depot oder Depot auf Elternnamen?

Nicht immer ist das Depot auf den Kindesnamen die beste Wahl. Wer sich die volle Kontrolle über das Geld erhalten möchte, kann alternativ in einem eigenen Depot ein separates Sparziel für das Kind führen. Der Vorteil: Du bleibst flexibel und kannst später frei entscheiden, wann und wie viel du übergibst. Der Nachteil ist steuerlich – hier zählen die Erträge zu deinem eigenen Sparerpauschbetrag, die günstigen Kinderfreibeträge bleiben ungenutzt. Als Faustregel gilt: Für langfristiges, fest dem Kind zugedachtes Vermögen spielt das Junior-Depot seine Steuervorteile aus. Für flexibel gedachte Reserven, über die du selbst bestimmen willst, ist das eigene Depot oft die klügere Lösung. Manche Familien kombinieren beides und nutzen jeweils die passenden Stärken.

Kann ich das Geld aus dem Junior-Depot zurückholen?
Nein. Mit der Einzahlung gehört das Vermögen rechtlich dem Kind und darf nur zu dessen Gunsten verwendet werden. Für flexibel verfügbares Kapital solltest du besser in deinem eigenen Depot sparen und dem Kind später gezielt etwas übertragen.
Was passiert mit dem Depot, wenn das Kind 18 wird?
Ab der Volljährigkeit erhält das Kind die volle Verfügungsgewalt und kann frei über das Depot entscheiden. Es lohnt sich, den Nachwuchs frühzeitig an das Thema Geldanlage heranzuführen, damit das Vermögen sinnvoll weitergeführt wird.
Muss das Kind Steuern auf die Erträge zahlen?
Dank Sparerpauschbetrag und dem eigenen Grundfreibetrag bleiben Kapitalerträge in üblicher Höhe meist steuerfrei. Mit Freistellungsauftrag und einer NV-Bescheinigung lässt sich der Abzug der Abgeltungsteuer in vielen Fällen ganz vermeiden.
Welche Anlage eignet sich im Kinderdepot?
Wegen des langen Anlagehorizonts eignen sich breit gestreute Aktien-ETFs besonders gut, etwa auf den MSCI World oder FTSE All-World. Kurzfristige Schwankungen fallen über 18 Jahre weniger ins Gewicht als bei kurzen Sparzielen.

Fazit

Ein Junior-Depot ist eines der stärksten Werkzeuge, um Kindern einen finanziellen Vorsprung zu schenken: eigene Steuerfreibeträge, ein extrem langer Anlagehorizont und der Zinseszinseffekt spielen zusammen. Wichtig ist nur, dass du dir der Kehrseite bewusst bist – das Geld gehört ab dem ersten Euro dem Kind. Wer damit leben kann, legt mit einem ETF-Sparplan im Kinderdepot einen soliden Grundstein für dessen Zukunft.

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Redaktionsteam mit Spezialisierung auf persönliche Finanzen, Kreditkarten und Bankprodukte.

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