Beim Thema geförderte Altersvorsorge stehen in Deutschland zwei Modelle im Mittelpunkt, und genau deshalb lohnt der direkte Riester Rürup Vergleich. Beide sparen Steuern, funktionieren aber völlig unterschiedlich: Riester lebt von staatlichen Zulagen und ist auf Familien und Angestellte zugeschnitten, Rürup punktet mit hohem Steuerabzug und richtet sich vor allem an Selbstständige und Gutverdiener. Welche Variante für dich passt, hängt von deinem Beruf, deinem Einkommen und deiner Familiensituation ab. Dieser Ratgeber ordnet beide Modelle nüchtern ein.

Riester-Rente: Förderung über Zulagen

Die Riester-Rente wird über direkte Zulagen und einen möglichen Sonderausgabenabzug gefördert. Kern ist die Grundzulage von 175 Euro pro Jahr, dazu kommt eine Kinderzulage von 300 Euro je Kind (185 Euro für vor 2008 geborene Kinder). Berufseinsteiger unter 25 erhalten einmalig 200 Euro extra. Um die volle Förderung zu bekommen, musst du 4 Prozent deines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlen, maximal aber 2.100 Euro pro Jahr inklusive Zulagen. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 60 Euro.

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Anspruch haben vor allem rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Beamte und, mittelbar, ihre Ehepartner. Für eine Familie mit mehreren Kindern kann die Zulagenquote enorm sein, weil der Staat einen großen Teil der Sparleistung übernimmt. In der Auszahlungsphase ab frühestens 62 Jahren darfst du bis zu 30 Prozent als Einmalbetrag entnehmen, der Rest fließt als lebenslange Rente, die voll nachgelagert besteuert wird.

Rürup-Rente: Förderung über den Steuerabzug

Die Rürup-Rente, offiziell Basisrente, kennt keine Zulagen. Ihr Hebel ist der Sonderausgabenabzug: Im Jahr 2026 kannst du bis zu rund 30.826 Euro an Altersvorsorgebeiträgen absetzen, bei Zusammenveranlagung das Doppelte. Seit 2023 sind die Beiträge zu 100 Prozent abziehbar. Das entlastet vor allem, wer einen hohen Grenzsteuersatz hat und keine üppigen Zulagen erwarten kann, also klassisch Selbstständige ohne Anspruch auf Riester sowie gut verdienende Angestellte.

Der Preis für den Steuervorteil ist Unflexibilität: Die Rürup-Rente wird ausschließlich als lebenslange Leibrente ausgezahlt, eine Kapitalentnahme ist nicht möglich. Das angesparte Kapital ist nicht vererbbar (außer über Zusatzbausteine), nicht übertragbar, nicht beleihbar und in der Ansparphase auch vor Pfändung geschützt. Details zur Funktionsweise findest du im Ratgeber zur Rürup-Rente als Steuer-Hebel.

Riester und Rürup im direkten Vergleich

Merkmal Riester-Rente Rürup-Rente (Basisrente)
Hauptförderung Zulagen + Sonderausgabenabzug Sonderausgabenabzug
Zielgruppe Angestellte, Beamte, Familien Selbstständige, Gutverdiener
Max. steuerlich absetzbar 2.100 Euro/Jahr ca. 30.826 Euro/Jahr (2026)
Kapitalauszahlung bis zu 30 % möglich nicht möglich
Vererbbarkeit eingeschränkt möglich nur über Zusatzbausteine
Besteuerung der Rente voll nachgelagert nachgelagert, 84 % bei Start 2026
Nachgelagerte Besteuerung: Bei beiden Modellen sparst du in der Ansparphase Steuern und zahlst sie erst auf die Rente. Für den Renteneintritt 2026 sind 84 Prozent der Basisrente steuerpflichtig, der Anteil steigt für spätere Jahrgänge weiter. Da der persönliche Steuersatz im Ruhestand meist niedriger ist, bleibt unterm Strich oft ein Vorteil.

Für wen lohnt sich was?

Riester eher geeignet für
  • Familien mit mehreren Kindern wegen hoher Zulagen
  • Angestellte mit mittlerem Einkommen
  • alle, die eine Teil-Kapitalauszahlung wünschen
Rürup eher geeignet für
  • Selbstständige ohne Riester-Anspruch
  • Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz
  • alle, die keine Zulagen bekommen, aber viel absetzen wollen

Wichtig ist ein Blick auf die Gesamtsituation. Angestellte sollten zuerst prüfen, ob eine betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss nicht attraktiver ist. Und wer flexibel und kostengünstig fürs Alter sparen will, kombiniert die geförderten Verträge oft mit einem freien ETF-Sparplan, der jederzeit verfügbar bleibt.

Ein häufig unterschätzter Faktor sind die Kosten. Beide Vertragsarten sind in der klassischen Versicherungsform mit Abschluss- und Verwaltungskosten belastet, die über Jahrzehnte einen erheblichen Teil der Rendite kosten können. Bei Riester kommen mögliche Wohn-Riester-Varianten hinzu, bei denen die Förderung in die eigengenutzte Immobilie fließt. Achte in beiden Fällen auf transparente, fondsgebundene Tarife mit günstigen ETFs und rechne die Effektivkosten in deine Entscheidung ein. Eine hohe Zulage nützt wenig, wenn versteckte Gebühren sie wieder auffressen. Prüfe außerdem, ob die garantierte Rentenhöhe realistisch zu deiner erwarteten Lebenserwartung passt.

Reform 2027 im Blick behalten

Die klassische Riester-Rente gilt vielen als zu teuer und zu unflexibel. Deshalb ist ein Nachfolgemodell geplant: das geförderte Altersvorsorgedepot ab 2027, das Zulagen mit einem kostengünstigen ETF-Depot verbinden soll. Wer heute vor einem Neuabschluss steht, sollte diese Entwicklung berücksichtigen und Verträge mit langer Bindung kritisch prüfen. Rechne vor dem Abschluss immer deine konkrete Rentenlücke aus, damit die Sparrate zu deinem tatsächlichen Bedarf passt.

Was ist der Hauptunterschied zwischen Riester und Rürup?
Riester wird über staatliche Zulagen gefördert und richtet sich an Angestellte und Familien, mit optionaler Teil-Kapitalauszahlung. Rürup fördert über einen hohen Steuerabzug und zahlt ausschließlich eine lebenslange Rente, was vor allem für Selbstständige und Gutverdiener attraktiv ist.
Kann ich Riester und Rürup gleichzeitig haben?
Ja, beide Verträge lassen sich parallel führen und getrennt fördern. Das ist etwa sinnvoll, wenn du als Angestellter Zulagen für deine Kinder mitnimmst und zusätzlich als Gutverdiener über Rürup deinen Steuervorteil ausschöpfen willst.
Lohnt sich Riester trotz der geplanten Reform noch?
Für Familien mit vielen Kindern kann sich Riester wegen der Zulagen weiterhin rechnen. Da ab 2027 ein gefördertes Altersvorsorgedepot als Nachfolger geplant ist, solltest du Neuabschlüsse mit langer Bindung aber genau prüfen und die Kosten im Blick behalten.
Wie werden Riester- und Rürup-Renten besteuert?
Beide Modelle unterliegen der nachgelagerten Besteuerung: Beiträge senken heute die Steuer, die spätere Rente wird versteuert. Bei Renteneintritt 2026 sind 84 Prozent der Basisrente steuerpflichtig, die Riester-Rente wird in voller Höhe besteuert.

Fazit

Der Riester Rürup Vergleich hat keinen pauschalen Sieger. Riester spielt seine Stärke bei Familien und Angestellten über die Zulagen aus, Rürup überzeugt Selbstständige und Gutverdiener durch den hohen Steuerabzug, verlangt dafür aber maximale Unflexibilität. Entscheide anhand von Beruf, Einkommen und Kinderzahl, behalte die Reform 2027 im Blick und ergänze die geförderten Verträge bei Bedarf um flexible Bausteine. Weitere Ratgeber zur Altersvorsorge findest du in unserer Rubrik Geldanlage.

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