Ein Bänderriss auf Mallorca, ein Blinddarm auf einer Fernreise oder ein Unfall in den USA – wer glaubt, im Ausland genauso abgesichert zu sein wie zu Hause, irrt oft teuer. Die Auslandskrankenversicherung ist einer der günstigsten und wichtigsten Reisebegleiter überhaupt: Für wenige Euro im Jahr schützt sie vor Arztrechnungen, die andernfalls schnell fünfstellig werden. Denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt außerhalb Deutschlands nur eingeschränkt – und einen medizinischen Rücktransport gar nicht.

In diesem Ratgeber lesen Sie, warum die GKV auf Reisen nicht ausreicht, was ein Rücktransport kostet und worauf Sie beim Abschluss einer Reisekrankenversicherung achten sollten.

In diesem Artikel

Warum die gesetzliche Kasse im Ausland nicht reicht

Innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz gilt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) auf der Rückseite Ihrer Gesundheitskarte. Damit werden Sie im öffentlichen Gesundheitssystem des Urlaubslandes behandelt – allerdings nur nach dessen Regeln. Das bringt zwei Probleme mit sich:

  • Sie erhalten nur die Leistungen, die dort auch Einheimische bekommen – oft mit hohen Selbstbeteiligungen (Zuzahlungen).
  • Private Kliniken und Privatärzte rechnen gar nicht über die EHIC ab. Gerade in Urlaubsregionen sind das aber häufig die einzigen erreichbaren Anlaufstellen.

Außerhalb Europas – etwa in den USA, Kanada, Asien oder der Karibik – zahlt die GKV in der Regel überhaupt nichts. Eine Behandlung müssten Sie dann komplett aus eigener Tasche vorstrecken.

Der teure Knackpunkt Rücktransport: Ein medizinisch notwendiger Krankenrücktransport aus Übersee kann 10.000 € bis über 30.000 € kosten. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt ihn grundsätzlich nicht. Eine gute Reisekrankenversicherung dagegen schon.

Was eine gute Auslandskrankenversicherung leistet

Die private Reisekrankenversicherung ergänzt genau die Lücken der GKV. Ein leistungsstarker Tarif deckt ab:

  • Ambulante und stationäre Behandlung, auch beim Privatarzt
  • Arznei-, Heil- und Verbandmittel sowie schmerzstillende Zahnbehandlung
  • Medizinisch sinnvollen Rücktransport nach Deutschland
  • Übernahme oder Rückerstattung von Selbstbeteiligungen im Ausland

Achten Sie auf die Formulierung beim Rücktransport: „medizinisch sinnvoll“ ist deutlich besser als „medizinisch notwendig“. Bei der strengeren Variante zahlt der Versicherer nur, wenn eine Behandlung vor Ort unmöglich ist – bei der besseren genügt, dass der Transport aus medizinischer Sicht ratsam ist.

Was kostet der Schutz?

Die Beiträge sind erstaunlich niedrig, weil junge und gesunde Reisende das Risiko gut ausbalancieren. Eine Jahres-Police, die alle Reisen bis zu einer bestimmten Dauer abdeckt, ist meist die klügste Wahl:

Variante Beitrag pro Jahr (ca.)
Einzelperson (Jahrespolice) 8–20 €
Familie (Jahrespolice) 15–35 €
Senioren ab 65 Jahren 40–120 €

Die Jahrespolice deckt in der Regel jede einzelne Reise bis zu einer Höchstdauer ab – häufig 42 oder 56 Tage am Stück. Wer länger verreist, etwa für ein Auslandssemester oder eine Weltreise, braucht eine spezielle Langzeit-Police.

Für Familien lohnt sich fast immer die gemeinsame Jahrespolice: Sie ist kaum teurer als der Einzelschutz und deckt Kinder meist ohne Aufpreis mit ab. Viel- und Geschäftsreisende sollten darauf achten, dass der Tarif ausdrücklich mehrere Reisen pro Jahr einschließt und nicht nur eine einzige. Senioren zahlen zwar spürbar mehr, doch selbst dann bleibt der Beitrag im Vergleich zu einer möglichen Klinikrechnung oder einem Rücktransport aus dem Ausland verschwindend gering.

Im Krankheitsfall richtig handeln

Damit die Erstattung später reibungslos läuft, sollten Sie im Ernstfall ein paar einfache Regeln beachten:

  • Rufen Sie bei schweren Fällen zuerst die 24-Stunden-Notrufnummer des Versicherers an, bevor ein Rücktransport organisiert wird.
  • Bewahren Sie alle Originalrechnungen, Rezepte und Diagnosen auf – ohne Belege gibt es keine Erstattung.
  • Lassen Sie sich Diagnosen möglichst auf Englisch oder mit Übersetzung ausstellen.
  • Reichen Sie die Unterlagen nach der Reise fristgerecht bei Ihrer Versicherung ein.

Ein Praxistipp: Speichern Sie die Notrufnummer und Ihre Policennummer im Handy und tragen Sie zusätzlich eine ausgedruckte Kopie im Gepäck. Im Ausland ist der Akku schnell leer oder das Smartphone verloren – dann sind analoge Notfallinfos Gold wert. Klären Sie außerdem vorab, ob Sie Rechnungen selbst vorstrecken müssen oder ob der Versicherer direkt mit der Klinik abrechnet.

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

Nicht jeder günstige Tarif taugt. Prüfen Sie vor der Buchung diese Punkte:

Merkmale guter Tarife
  • Rücktransport „medizinisch sinnvoll“ statt nur „notwendig“
  • Keine oder klar geregelte Selbstbeteiligung
  • Weltweite Gültigkeit inklusive USA/Kanada
  • Keine Höchstsumme für Heilbehandlungskosten
Häufige Einschränkungen
  • Altersgrenzen und Zuschläge für Senioren
  • Ausschluss chronischer oder bekannter Vorerkrankungen
  • Begrenzte Reisedauer pro Aufenthalt

Ein häufiger Irrtum: Viele Reisende verlassen sich auf den in ihrer Kreditkarte enthaltenen Schutz. Diese Leistungen sind oft an Bedingungen geknüpft, etwa dass die Reise mit der Karte bezahlt wurde. Prüfen Sie das genau in unserem Ratgeber zur Reisekreditkarte mit Versicherungen. Wer die Systemunterschiede grundsätzlich verstehen will, findet Antworten im GKV-PKV-Vergleich. Und zu einer runden Absicherung gehören auch Bausteine wie die Zahnzusatzversicherung oder – mit Blick aufs Alter – die Pflegezusatzversicherung.

Reicht die EHIC-Karte im Urlaub nicht aus?
Nur bedingt. Die EHIC gilt in der EU sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz, deckt aber nur das öffentliche System und keine Privatärzte. Den teuren Rücktransport übernimmt sie nie.
Was kostet ein medizinischer Rücktransport?
Je nach Entfernung und Zustand liegen die Kosten zwischen 10.000 € und über 30.000 €. Aus Übersee mit medizinischer Begleitung kann es noch teurer werden. Eine gute Auslandskrankenversicherung übernimmt diese Summe.
Gilt die Jahrespolice für beliebig lange Reisen?
Nein. Standard-Jahrespolicen decken jede Reise nur bis zu einer Höchstdauer ab, oft 42 bis 56 Tage. Für längere Aufenthalte wie ein Auslandssemester benötigen Sie eine spezielle Langzeitversicherung.
Sind Vorerkrankungen mitversichert?
Akut auftretende Notfälle sind meist gedeckt. Planbare Behandlungen bekannter, chronischer Vorerkrankungen schließen viele Tarife jedoch aus. Lesen Sie die Bedingungen hier besonders sorgfältig.

Fazit

Die Auslandskrankenversicherung gehört in jede Reiseplanung – ob Wochenendtrip oder Fernreise. Für einen zweistelligen Jahresbeitrag schützt sie vor den größten finanziellen Risiken: Privatarzt-Rechnungen, Selbstbeteiligungen und dem teuren Rücktransport, den die gesetzliche Kasse nicht zahlt. Wählen Sie einen Tarif mit weltweiter Gültigkeit und der Klausel „medizinisch sinnvoller Rücktransport“, und prüfen Sie Altersgrenzen sowie die maximale Reisedauer. Weitere Ratgeber finden Sie in unserer Rubrik Versicherungen.

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Redaktionsteam mit Spezialisierung auf persönliche Finanzen, Kreditkarten und Bankprodukte.

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