Ein Pflegeheimplatz kostet in Deutschland heute oft 2.500 bis 3.000 € Eigenanteil im Monat – und die gesetzliche Pflegeversicherung deckt davon nur einen Teil. Die Differenz, die pflegebedürftige Menschen und ihre Familien selbst tragen müssen, nennt man Pflegelücke. Die Pflegezusatzversicherung ist der wichtigste Baustein, um genau diese Lücke zu schließen und im Ernstfall nicht das eigene Vermögen oder die Kinder finanziell zu belasten.

Dieser Ratgeber erklärt, warum die gesetzliche Absicherung nur eine Teilkasko ist, wie groß die Pflegelücke wirklich wird und welche Formen der privaten Zusatzversicherung – vom Pflegetagegeld bis zum geförderten Pflege-Bahr – es gibt.

In diesem Artikel

Warum die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilkasko ist

Die soziale Pflegeversicherung übernimmt bewusst nicht alle Kosten. Sie zahlt je nach Pflegegrad feste Leistungsbeträge, die die tatsächlichen Aufwendungen bei Weitem nicht decken. Im Pflegeheim erhalten Pflegebedürftige (Stand 2025) für die vollstationäre Pflege ungefähr:

Pflegegrad Leistung Heim / Monat
Pflegegrad 2 rund 805 €
Pflegegrad 3 rund 1.319 €
Pflegegrad 4 rund 1.855 €
Pflegegrad 5 rund 2.096 €

Dem stehen Heimkosten gegenüber, die deutlich höher liegen. Neben der reinen Pflege zahlen Bewohner den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, dazu Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Der bundesweite durchschnittliche Eigenanteil im ersten Heimjahr liegt inzwischen bei rund 2.900 € im Monat.

So groß ist die Pflegelücke wirklich

Die Pflegelücke ist die Differenz zwischen den realen Kosten und dem, was gesetzliche Pflegeleistung plus eigene Rente abdecken. Ein Rechenbeispiel für Pflegegrad 4 im Heim:

Heimkosten gesamt: rund 4.500 € / Monat
abzüglich Pflegekasse (PG 4): rund 1.855 €
abzüglich eigene Rente: rund 1.400 €
Verbleibende Pflegelücke: rund 1.245 € pro Monat – die aus Erspartem oder von den Angehörigen getragen werden muss.

Reicht das eigene Vermögen nicht, springt zwar das Sozialamt über die „Hilfe zur Pflege“ ein. Doch es prüft zuvor das Einkommen der Kinder – bei einem Bruttojahreseinkommen ab 100.000 € können erwachsene Kinder zum Elternunterhalt herangezogen werden. Genau davor schützt private Vorsorge.

Die drei Formen der Pflegezusatzversicherung

Am Markt gibt es drei Grundmodelle, die sich in Auszahlung und Flexibilität unterscheiden:

  • Pflegetagegeldversicherung: zahlt einen festen Tagessatz je Pflegegrad, frei verwendbar. Die beliebteste und flexibelste Variante.
  • Pflegekostenversicherung: erstattet einen Prozentsatz der tatsächlich nachgewiesenen Pflegekosten.
  • Pflegerentenversicherung: zahlt im Pflegefall eine monatliche Rente; teurer, aber mit garantierten Leistungen.

Für die meisten Menschen ist das Pflegetagegeld die passende Wahl, weil das Geld ohne Nachweise auch für pflegende Angehörige oder Umbauten verwendet werden kann.

Pflege-Bahr: die staatliche Förderung im Blick

Der Staat fördert die private Pflegevorsorge mit dem „Pflege-Bahr“. Wer mindestens 10 € im Monat selbst einzahlt, erhält 5 € Zuschuss – also 60 € im Jahr. Der große Vorteil: Es gibt keine Gesundheitsprüfung, niemand wird abgelehnt (Kontrahierungszwang). Dem stehen aber klare Nachteile gegenüber.

Vorteile Pflege-Bahr
  • Staatlicher Zuschuss von 60 € pro Jahr
  • Keine Gesundheitsprüfung, keine Ablehnung möglich
  • Auch für Menschen mit Vorerkrankungen geeignet
Nachteile Pflege-Bahr
  • Fünf Jahre Wartezeit vor der ersten Leistung
  • Oft niedrige, gedeckelte Auszahlungen
  • Ungeförderte Tarife bieten meist besseren Schutz

Für gesunde Menschen lohnt sich häufig ein ungefördertes, leistungsstärkeres Pflegetagegeld mehr als der Pflege-Bahr. Wer eine Absicherung sucht, aber Vorerkrankungen hat, für den kann der geförderte Tarif dagegen die einzige Option sein.

Worauf Sie beim Pflegetagegeld achten sollten

Ein guter Pflegetagegeldtarif zeigt sich in mehreren Details, die im Leistungsfall über viel Geld entscheiden:

  • Volle oder zumindest anteilige Auszahlung bereits ab Pflegegrad 1 und 2
  • Gleich hohe Leistung für die häusliche und die stationäre Pflege
  • Beitragsbefreiung, sobald der Pflegefall eintritt
  • Regelmäßige Anpassung der Leistung an die Kostenentwicklung (Dynamik)
  • Kein Ausschluss von Demenz und psychischen Erkrankungen

Vergleichen Sie besonders, ob der Tarif bei allen Pflegegraden zahlt oder nur bei den höchsten. Gerade die ambulante Pflege zu Hause beginnt oft in niedrigeren Pflegegraden – ein Tarif, der erst ab Pflegegrad 4 leistet, greift dann zu spät. Eine eingebaute Dynamik ist wichtig, weil die Heimkosten seit Jahren steigen und ein heute vereinbartes Tagegeld sonst in 20 Jahren real deutlich weniger wert ist.

Wann und für wen sich der Abschluss lohnt

Wie bei allen Gesundheitspolicen gilt: Je jünger und gesünder Sie beim Abschluss sind, desto günstiger der Beitrag. Ein Pflegetagegeld kostet mit 40 Jahren oft 20 bis 40 € im Monat, mit 60 Jahren ein Vielfaches. Die Pflegevorsorge gehört in eine umfassende Ruhestandsplanung – ähnlich wichtig wie das Schließen der allgemeinen Rentenlücke. Wie hoch Ihre spätere Versorgungslücke ausfällt, können Sie mit unserem Ratgeber zur Rentenlücke berechnen abschätzen. Und wer noch im Berufsleben steht, sollte parallel die Berufsunfähigkeitsversicherung sowie sinnvolle Krankenzusatz-Bausteine prüfen.

Wie hoch sollte das Pflegetagegeld sein?
Es sollte die erwartete Pflegelücke decken. Für den Pflegeheimfall sind rund 50 € pro Tag, also etwa 1.500 € im Monat, eine gängige Orientierung. Prüfen Sie die Leistung für die höchsten Pflegegrade.
Lohnt sich der geförderte Pflege-Bahr?
Für gesunde Menschen bietet ein ungeförderter Tarif meist mehr Leistung fürs Geld. Wer wegen Vorerkrankungen keinen normalen Tarif bekommt, profitiert dagegen vom Kontrahierungszwang des Pflege-Bahr.
Können meine Kinder für die Pflegekosten herangezogen werden?
Ja, aber erst ab einem Bruttojahreseinkommen des Kindes von über 100.000 €. Reicht Ihr Vermögen nicht, prüft das Sozialamt beim Elternunterhalt das Einkommen der Kinder. Private Vorsorge beugt dem vor.
Ab welchem Alter sollte ich abschließen?
Grundsätzlich gilt: je früher, desto günstiger. Ein Abschluss zwischen 40 und 50 hält den Beitrag moderat und sichert Sie ab, bevor erste gesundheitliche Einschränkungen die Aufnahme erschweren.

Fazit

Die Pflegezusatzversicherung schließt eine der teuersten Lücken im deutschen Sozialsystem: den hohen Eigenanteil im Pflegeheim, den die gesetzliche Teilkasko nicht abdeckt. Ein flexibles Pflegetagegeld, das die individuelle Pflegelücke deckt, ist für die meisten die beste Wahl – der geförderte Pflege-Bahr bleibt vor allem eine Option bei Vorerkrankungen. Wer früh und gesund abschließt, sichert sich niedrige Beiträge und schützt zugleich das eigene Vermögen und die Kinder. Weitere Ratgeber finden Sie in unserer Rubrik Versicherungen.

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Redaktionsteam mit Spezialisierung auf persönliche Finanzen, Kreditkarten und Bankprodukte.

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