Ihr wertvollster Besitz ist nicht Ihr Auto oder Ihre Wohnung – es ist Ihre Arbeitskraft. Statistisch wird rund jeder vierte Berufstätige in Deutschland vor dem Rentenalter berufsunfähig. Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an: Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Für die meisten Arbeitnehmer und Selbstständigen ist sie deshalb die wichtigste private Absicherung neben der Haftpflicht.

Die staatliche Absicherung reicht dafür bei Weitem nicht aus. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist niedrig und stellt zudem strenge Anforderungen – sie orientiert sich am gesamten Arbeitsmarkt, nicht an Ihrem erlernten Beruf. Wer als Handwerker nicht mehr arbeiten kann, aber theoretisch noch als Pförtner tauglich wäre, geht oft leer aus.

In diesem Artikel

Wann leistet die BU?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn Sie voraussichtlich mindestens sechs Monate zu wenigstens 50 Prozent außerstande sind, Ihren zuletzt ausgeübten Beruf auszuüben. Entscheidend ist der konkrete Beruf, nicht irgendeine Tätigkeit. Häufigste Ursachen für eine Berufsunfähigkeit sind heute psychische Erkrankungen wie Burn-out und Depression, gefolgt von Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats sowie Krebs. Auffällig ist, dass diese Auslöser jeden treffen können – nicht nur körperlich arbeitende Menschen, sondern gerade auch Büroangestellte und Akademiker. Ein reiner Unfallschutz greift hier zu kurz, denn Unfälle machen nur einen kleinen Teil der Fälle aus.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt im Durchschnitt bei rund 1.000 € pro Monat – und die volle Rente gibt es nur, wenn Sie praktisch gar nicht mehr arbeiten können. Diese Lücke schließt allein eine private BU.

Wie hoch sollte die BU-Rente sein?

Die BU-Rente sollte Ihren Lebensstandard sichern. Als Orientierung gelten 60 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens, mindestens aber 1.000 bis 1.500 € im Monat. Denken Sie daran, dass Sie im Leistungsfall weiter Kranken- und Pflegeversicherung zahlen müssen und die BU-Rente in der Regel versteuert wird. Kalkulieren Sie die Summe daher lieber etwas höher.

Nettoeinkommen Empfohlene BU-Rente Hinweis
2.000 € 1.400–1.600 € Mindestbedarf absichern
3.000 € 2.000–2.400 € Lebensstandard halten
4.000 € 2.800–3.200 € Zusätzliche Vorsorge einplanen

Diese Klauseln entscheiden über die Qualität

Nicht jede BU ist gleich gut. Auf diese Vertragsmerkmale sollten Sie achten:

  • Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf Sie nicht auf einen anderen, theoretisch möglichen Beruf verweisen. Dieser Punkt ist unverzichtbar.
  • Nachversicherungsgarantie: Sie können die Rente bei Heirat, Geburt oder Gehaltssprung ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen.
  • Rückwirkende Leistung: Der Versicherer zahlt ab Beginn der Berufsunfähigkeit, auch wenn die Meldung später erfolgt.
  • Weltweiter Schutz und ein kurzer Prognosezeitraum von sechs Monaten.
  • Stabile Beiträge: Achten Sie auf einen niedrigen Unterschied zwischen Brutto- und Nettobeitrag.

Was kostet eine BU?

Der Beitrag hängt stark vom Beruf, dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand ab. Versicherer teilen Berufe in Risikogruppen ein: Ein Büroangestellter oder Akademiker zahlt deutlich weniger als ein Dachdecker oder eine Pflegekraft, weil das Risiko geringer ist. Faustregel: Je jünger und gesünder Sie beim Abschluss sind, desto günstiger und leichter der Zugang.

Vorteile der BU
  • Schützt das wichtigste Gut: die Arbeitskraft
  • Zahlt auf den konkret ausgeübten Beruf
  • Deckt auch psychische Erkrankungen ab
  • Beiträge teils steuerlich absetzbar
Zu bedenken
  • Umfangreiche Gesundheitsprüfung nötig
  • Für Risikoberufe teuer oder schwer erhältlich
  • BU-Rente muss meist versteuert werden
  • Nachträgliche Erkrankungen erschweren Abschluss

Gesundheitsprüfung und Alternativen

Die Gesundheitsfragen sind der kritischste Punkt. Beantworten Sie sie vollständig und wahrheitsgemäß – verschweigen Sie Vorerkrankungen, riskieren Sie im Leistungsfall die Leistung. Wer wegen Vorerkrankungen keine BU bekommt, kann auf Alternativen ausweichen: die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, eine Grundfähigkeitsversicherung (sie zahlt beim Verlust von Fähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Greifen) oder eine Dread-Disease-Police für schwere Krankheiten. Diese bieten aber einen schwächeren Schutz als die klassische BU.

Als sinnvolle Ergänzung sichern viele zusätzlich das laufende Einkommen bei kürzeren Krankheitsphasen über eine Krankentagegeldversicherung ab, während die BU die dauerhafte Lücke schließt.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Abschluss?

Die klare Antwort lautet: so früh wie möglich. Wer jung und gesund ist, zahlt niedrigere Beiträge und kommt leichter durch die Gesundheitsprüfung, weil noch keine Vorerkrankungen dokumentiert sind. Ideal ist der Abschluss bereits während der Ausbildung oder des Studiums. Viele Versicherer bieten Schülern und Studierenden vergünstigte Einsteigertarife mit der Option, die Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung aufzustocken.

Ein weiterer Punkt: Die BU sollte bis zum regulären Renteneintritt laufen, also meist bis 67. Verträge, die schon mit 60 enden, wirken günstig, lassen aber genau die Jahre ungeschützt, in denen das Berufsunfähigkeitsrisiko am höchsten ist. Wählen Sie außerdem eine Dynamik, damit Rente und Beitrag mit der Inflation Schritt halten und die Kaufkraft der abgesicherten Rente über die Jahre erhalten bleibt.

Steuerliche Behandlung

Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung lassen sich als sonstige Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend machen – allerdings sind die Höchstbeträge oft schon durch die Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft. Wie das genau funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu Versicherungen von der Steuer absetzen.

Ab wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
Wenn Sie voraussichtlich mindestens sechs Monate zu wenigstens 50 Prozent Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben können. Maßgeblich ist der konkrete Beruf, nicht irgendeine Tätigkeit.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Rund 60 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens, mindestens 1.000 bis 1.500 Euro. Beachten Sie, dass die Rente meist versteuert wird und Sie weiter Sozialbeiträge zahlen.
Warum reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht?
Sie ist niedrig und wird nur gezahlt, wenn Sie auf dem gesamten Arbeitsmarkt kaum noch arbeiten können – nicht bezogen auf Ihren erlernten Beruf. Diese Lücke schließt nur die private BU.
Was tun, wenn ich wegen Vorerkrankungen keine BU bekomme?
Prüfen Sie Alternativen wie die Grundfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Diese bieten zwar schwächeren, aber immerhin einen Basisschutz für die Arbeitskraft.

Fazit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Berufstätige die zentrale Absicherung, weil sie das Einkommen und damit den Lebensstandard schützt. Schließen Sie sie früh, jung und gesund ab, wählen Sie eine ausreichend hohe Rente und achten Sie auf gute Bedingungen wie den Verzicht auf abstrakte Verweisung. Kombiniert mit einer Risikolebensversicherung und der Planung Ihrer Rentenlücke steht Ihre Existenzsicherung auf soliden Beinen. Weitere Bausteine finden Sie in unserer Rubrik Versicherungen.

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