Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der späteren Rente klafft die sogenannte Rentenlücke – und wer sie nicht mit einer privaten Rente oder anderer Vorsorge schließt, muss im Ruhestand deutlich kürzertreten. Dieser Ratgeber erklärt, wie die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert, wie Sie Ihre persönliche Versorgungslücke überschlagen und mit welchen privaten Bausteinen Sie sie füllen.
Wie hoch die gesetzliche Rente ausfällt
Ihre gesetzliche Rente berechnet sich über Entgeltpunkte: Für ein Jahr mit Durchschnittsverdienst gibt es einen Punkt. Jeder Punkt ist seit dem 1. Juli 2026 einen aktuellen Rentenwert von 42,52 € monatlich wert. Wer 45 Jahre lang immer durchschnittlich verdient hat, kommt so auf die sogenannte Standardrente von rund 1.913 € brutto im Monat – also vor Steuern und Sozialabgaben.
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Die Realität liegt für viele darunter: Teilzeit, Ausbildungszeiten, Kindererziehung oder Phasen der Arbeitslosigkeit senken die Zahl der Entgeltpunkte. Das Rentenniveau, also das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittslohn, liegt bei etwa 48 Prozent.
Warum überhaupt eine Rentenlücke entsteht
Die gesetzliche Rente ersetzt nur einen Teil Ihres früheren Einkommens. Fachleute rechnen damit, dass Sie im Ruhestand etwa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens brauchen, um den Lebensstandard zu halten. Die Differenz zwischen diesem Bedarf und Ihrer voraussichtlichen Nettorente ist die Rentenlücke. Drei Faktoren vergrößern sie zusätzlich: die Besteuerung der Rente, die steigende Lebenserwartung und die Inflation, die die Kaufkraft über Jahrzehnte aushöhlt.
So berechnen Sie Ihre Rentenlücke
Ihren voraussichtlichen Anspruch entnehmen Sie der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Beachten Sie: Der dort genannte Betrag ist brutto und wird durch die Inflation entwertet. Rechnen Sie realistisch mit einem niedrigeren Kaufkraftwert. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Beispielrechnung finden Sie im Beitrag Rentenlücke berechnen.
Gesetzliche und private Rente im Vergleich
| Merkmal | Gesetzliche Rente | Private Vorsorge |
|---|---|---|
| Finanzierung | Umlageverfahren (Beitragszahler von heute) | Kapitaldeckung (eigenes Erspartes) |
| Beitrag | Pflichtbeitrag vom Lohn | freiwillig und flexibel |
| Renditechance | gering, politisch abhängig | je nach Anlage höher |
| Sicherheit | staatlich garantiert | vom Produkt abhängig |
| Vererbbarkeit | eingeschränkt (Hinterbliebenenrente) | je nach Vertrag möglich |
Mit welchen Bausteinen Sie die Lücke schließen
Die gesetzliche Rente bleibt die Basis – ergänzen sollten Sie sie mit einer Mischung, die zu Ihrer Situation passt:
- Betriebliche Altersvorsorge: besonders attraktiv, wenn Ihr Arbeitgeber kräftig bezuschusst. Details unter betriebliche Altersvorsorge.
- Riester-Rente: lohnt sich vor allem für Familien mit Kindern – siehe Riester-Rente.
- Rürup-Rente: die Steuersparlösung für Selbstständige, erklärt unter Rürup-Rente.
- ETF-Sparplan: maximal flexibel und kostengünstig, aber ohne Förderung. Einstieg im ETF-Sparplan-Ratgeber.
Die Inflation nicht unterschätzen
Eine monatliche Lücke von 500 € klingt heute überschaubar. In 30 Jahren entspricht das bei durchschnittlicher Teuerung einer deutlich höheren Summe. Wer früh und breit gestreut anlegt, nutzt den Zinseszinseffekt und schützt seine Kaufkraft. Wie das gelingt, lesen Sie unter Inflation und Kaufkraft schützen.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir eine 40-jährige Angestellte mit 2.800 € netto im Monat. Für den Ruhestand rechnet sie mit einem Bedarf von rund 2.240 €, also 80 Prozent ihres heutigen Nettoeinkommens. Ihre Renteninformation stellt ihr eine gesetzliche Bruttorente von etwa 1.500 € in Aussicht; nach Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung bleiben davon vielleicht 1.300 € netto übrig. Es klafft also eine Lücke von rund 940 € im Monat – und das noch ohne die Inflation über die kommenden 27 Jahre einzurechnen. Genau diese Lücke muss die private Vorsorge füllen, damit der Lebensstandard erhalten bleibt. Auch kleinere Lücken sollten Sie ernst nehmen, denn sie summieren sich über einen Ruhestand von 20 Jahren und mehr zu erheblichen Beträgen.
Wie viel Sie dafür sparen müssen
Um eine solche Lücke zu schließen, ist ein früher Beginn der wichtigste Hebel. Wer mit 40 startet, muss spürbar mehr zurücklegen als jemand, der schon mit 25 anfängt – der Zinseszinseffekt arbeitet über die längere Laufzeit für die jüngere Person. Als grobe Orientierung gilt: Ein breit gestreuter Sparplan von 200 bis 300 € im Monat kann über mehrere Jahrzehnte eine erhebliche Zusatzrente aufbauen. Verteilen Sie das Ersparte auf mehrere Bausteine, um Renditechancen, staatliche Förderung und Flexibilität zu verbinden, statt alles auf ein einziges Produkt zu setzen. Überprüfen Sie Ihren Plan zudem alle paar Jahre und passen Sie die Sparrate an ein gestiegenes Einkommen an.
Wie viel Geld brauche ich im Ruhestand?
Wie finde ich meine voraussichtliche gesetzliche Rente heraus?
Private oder gesetzliche Rente – was ist besser?
Wann sollte ich mit der privaten Vorsorge anfangen?
Fazit
Die Rentenlücke ist für die meisten Erwerbstätigen real – aber beherrschbar. Der erste Schritt ist, sie konkret zu berechnen, statt sie zu verdrängen. Der zweite ist ein klarer Plan aus gesetzlicher Rente und privater Vorsorge: eine bAV mit gutem Zuschuss, geförderte Verträge dort, wo sie passen, und ein breit gestreuter Sparplan für Flexibilität und Rendite. Wer früh beginnt und die Inflation einkalkuliert, kann die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und Wunsch-Ruhestand zuverlässig schließen.